Mo, 18. Juni 2018

Essstörung

23.07.2017 06:00

Die Sucht hätte fast mein Leben zerstört

Christina Maria Brem wollte immer schon ein bisschen abnehmen. Nach einer Operation "kippte" sie in einen Zwang aus Hungern, später aus Schlingen und Übergeben. Heute ist sie frei und glücklich. Sie will andere Betroffene unterstützen.

"Ich esse nur noch was ich will, wann ich will. Sport mache ich dann, wenn es mir Spaß macht, nicht um schlank zu sein", stellt Christina Maria Brem gleich einmal fest. Vor vier Jahren sah das Leben der heute 27-Jährigen ganz anders aus: Auslöser ihrer Essstörung war der Gedanke, mehr auf ihr Gewicht aufpassen zu müssen, da ein Eingriff am Fuß sie drei Monate zur Unbeweglichkeit verdonnerte. "Mein Leben war gerade im Umbruch, mir war zu Hause langweilig. So kam ich auf die Idee, genau auf mein Essen zu achten. Die Kilos purzelten schnell, und ich bekam viele Komplimente. Rasch drehte sich mein Alltag aber nur noch um Kalorienapps auf meinem Handy", erzählt die Niederösterreicherin. "Sogar zum Treffen mit meiner Freundin nahm ich die Waage mit, um alles unter Kontrolle zu haben." Sobald Sport wieder möglich war, schindete sie ihren Körper zwei Stunden täglich. Christina Brem lebte bald von nur einem Maiskolben pro Tag.

Kalorien "verschwinden" in der Toilette
Als die junge Frau doch einmal wieder etwas gegessen hatte, "entdeckte" sie, dass man aufgenommene Kalorien auch wieder verschwinden lassen konnte - nämlich durch Erbrechen. So rutschte sie tiefer in die Sucht hinein als je zuvor: "Gleich nach der Arbeit kaufte ich mir Lebensmittel ein, um diese zu verzehren, und danach wieder alles auf dem Klo loszuwerden - das ging jeden Tag bis 2 Uhr Früh so! Manchmal bestellte ich mir auch sieben Pizzas auf einmal. Ich vernachlässigte meine Freunde, verließ meinen Partner, verlor meinen Job, konnte nicht mehr auf Urlaub fahren und gab mein ganzes Geld für Essen aus. Ich war seelisch und bereits körperlich krank, hatte kein Leben mehr!"

Erst "ganz am Boden" verfestigte sich das Gefühl, dass sie professionelle Hilfe suchen musste und im Psychosomatischen Zentrum Waldviertel Eggenburg (NÖ) auch fand."Bei uns werden die Patienten drei Monate stationär betreut, eine kürzere Dauer ist nicht sinnvoll", erklärt der ärztliche Leiter Psychiater Prim. Friedrich Riffer. "Zuerst muss die körperliche Stabilität wieder hergestellt werden - Magersüchtige sind körperlich schwer krank. Dann erfolgt die psychotherapeutische Auseinandersetzung mit dem Leiden. Gruppentherapien und die Normalisierung des Essverhaltens sind wichtige Bausteine. Ebenso, das verzerrte Selbstbild wieder zurecht zu rücken. Die Patientinnen fühlen sich auch mit 40 kg noch zu dick. Bei 20 Prozent folgt - wie bei Frau Brem - auf das magersüchtige Verhalten eine Episode mit Ess- Brechanfällen. Nur ein Viertel wird ganz gesund, bis zu 15 Prozent versterben. Daher früh Hilfe holen! " Christina bleibt positiv: "Ohne Therapie hätte ich den Ausstieg aus der Sucht nie geschafft! Jetzt möchte ich anderen helfen, dass sie auch den Mut dazu aufbringen!"

Eva Greil-Schähs, Kronen Zeitung

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