Fr, 17. August 2018

Wegen EU-Richtlinie

19.12.2016 14:34

Industrie warnt vor Engpässen bei WLAN-Geräten

Die Elektronikindustrie warnt vor möglichen Engpässen bei WLAN-fähigen Geräten wie Smartphones oder Routern. Sogar von einem vollständigen Zusammenbruch des europäischen WLAN-Marktes ist die Rede. Grund seien Verzögerungen bei der Umsetzung einer neuen EU-Richtlinie.

Nach dem 12. Juni 2017 können demnach elektronische Geräte mit Funk nur noch mit einer Zertifizierung nach der neuen Richtlinie verkauft werden. Wichtige neue Standards seien dafür jedoch noch nicht ausgearbeitet. Dies werde wohl auch nicht rechtzeitig gelingen, erklärten Vertreter mehrerer Unternehmen der dpa.

Unklar sei, wie der Verkauf im kommenden Sommer weitergehen solle. Üblicherweise sorgen die Hersteller selbst dafür, dass Geräte den Standards entsprechen. In der aktuellen Situation müssten sie dafür zu anerkannten Prüflabors gehen. Da es davon in Europa aktuell nur 44 gebe, warnte der deutsche Industrieverband ZVEI vor einem "Flaschenhals".

Auch die Kosten der Hersteller würden steigen. Zudem solle etwa der neue Standard für 5-GHz-WLAN erst im Jänner 2018 von der zuständigen Organisation ETSI angepasst werden. Damit wäre unklar, nach welchen Vorgaben die Labors zertifizieren sollten.

Industrie fordert längere Übergangsfrist
Die Branche fordert deshalb eine Verlängerung der Übergangsfrist bis Juni 2019, doch die EU-Kommission winkt bislang ab: Man arbeite gemeinsam mit den Standardisierungs-Gremien daran, den Großteil der neuen Standards vor Ablauf der Übergangsfrist auszuarbeiten und zu veröffentlichen, erklärte die Behörde auf Anfrage.

"EU-Kommission riskiert wissentlich Zusammenbruch des WLAN-Marktes"
"Ändert sich nichts, kommt es ab Juni 2017 zu massiven Lieferengpässen bei allen WLAN-fähigen Geräten in Europa, einschließlich Router und Smartphones", kritisierte der Chef des deutschen Netztechnik-Anbieters Lancom Systems, Ralf Koenzen. Die EU-Kommission riskiere wissentlich den vollständigen Zusammenbruch des europäischen WLAN-Marktes. "Der wirtschaftliche Schaden dürfte allein bei den Herstellern mehrere hundert Millionen Euro pro Monat betragen." Bei kleineren Anbietern sei damit die Existenz bedroht.

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