Di, 21. August 2018

Nicht kaputtgedatet

25.07.2016 19:04

Renault Clio neu: Ungewöhnlicher Verkaufsschlager

Noch individualistischer, besser vernetzt und optisch retuschiert - Renault hat den Kleinwagen Clio überarbeitet, obwohl er sich von Jahr zu Jahr besser verkauft. Dabei sind die Franzosen zum Glück behutsam vorgegangen. Neben mehr Auswahl bei Design und Technik gibt es ab Herbst auch einen neuen Diesel und eine zusätzliche Getriebeoption beim Top-Benziner. Die Preise starten bei 12.990 Euro.

Optisch groß verändert haben sich der als Fünftürer und der gegen 500 Euro Aufpreis als Kombi ("Grandtour") angebotene Kleinwagen nicht, schließlich wirkt der kleine Franzose auch in seiner auslaufenden Version frisch wie am ersten Tag. Renault beließ es bei leichten Änderungen am unteren Kühlergrill, einer etwas sportiveren Heckstoßstange und der Neupositionierung des Tagfahrlichts, das nun nicht mehr unorthodox das Rautenlogo flankiert, sondern runter und an die Fahrzeugaußenseiten gewandert ist. Wählt man die neu ins Programm genommenen LED-Scheinwerfer, ist es in diese integriert. In der mittlerweile typischen C-Form der Marke.

Dazu kommen ein paar kleine, aber wirkungsvolle Änderungen im Innenraum, etwa ein neues Lenkrad, mehr Chrom sowie die gepolsterten Armlehnen in den neuen Türverkleidungen, die den Franzosen innen spürbar höherwertig wirken lassen. Bislang zählte das zwar schick gezeichnete, aber mit viel hartem Plastik möblierte Cockpit zu den Schwächen des Modells.

Ausgebaute Soft Skills
Während die Renault-Designer also zurückhaltend blieben, kann der Kunde das künftig durch mehr Auswahl bei den Individualisierungsmöglichkeiten wettmachen. Zu den Optionen zählen etwa neue Zweifarbpakete für die Karosserie, vier neue Lacktöne und farbige Zierverkleidungen für den Innenraum. Neue Posten gibt es aber auch auf der Liste der Technik-Optionen. Außer mit LED-Scheinwerfern (ab 840 Euro) kann der Kleinwagen nun auch mit einem selbstlenkenden Parkassistenten und der neuesten Ausbaustufe des Infotainment-Systems R-Link (zusammen im Paket ab 1200 Euro) ausgerüstet werden. Serienmäßig sorgt ab der zweiten Ausstattungsstufe ein App-basiertes Audiosystem für die Einbindung des Smartphones ins Fahrzeug. Apple Car Play oder Android Auto werden jedoch weiterhin nicht unterstützt. Und auch auf moderne Assistenzsysteme für das Spurhalten oder -wechseln muss der Kleinwagen verzichten.

Neuer Top-Diesel ist die Basis der Großen
Die Motorenpalette wird vom Vorgänger übernommen, jedoch um einen kräftigen Diesel ergänzt. Der 110 PS starke 1,5-Liter-Vierzylinder ist bereits unter anderem als Basis-Selbstzünder aus dem Kompaktmodell Mégane und dem SUV Kadjar bekannt. Im Clio rundet er das Leistungsangebot nach oben ab, drückt die Spurtzeit unter die Zwölf-Sekunden-Marke (11,2 s) und hebt die Höchstgeschwindigkeit über die 190er-Grenze 194 km/h). Beim Normverbrauch ist er mit 3,5 Litern unwesentlich durstiger als seine beiden schwächeren Kollegen (75 PS und 90 PS). Kombinierbar ist der neue Spitzendiesel allerdings nur mit der höchsten Ausstattungsstufe, die Preisliste startet für ihn daher bei 20.800 Euro.

Neu bei den Benzinern ist die Option auf ein manuelles Getriebe für den 1,2-Liter-Turbo mit 118 PS, der bislang ausschließlich mit einem Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe zu haben war. Preisgünstigstes Triebwerk im Angebot bleibt der 73 PS starke 1,2-Liter-Saugbenziner für 12.990 Euro, darüber rangiert weiterhin der 0,9-Liter-Dreizylinder mit Turboaufladung und 90 PS, der mit genormten 4,7 Litern Verbrauch der sparsamste Ottomotor im Clio ist. Ebenfalls unverändert bleibt der 1,6-Liter-Turbo (200 PS und 220 PS) im Sportmodell R.S.

Nicht angepackt hat Renault das Fahrwerk seines Kleinwagens. So bleibt der Clio zwar eines der agilsten Modelle des Segments, aber auch eines der am wenigsten komfortablen. Schlaglöcher und kurze Bodenwellen schluckt er mit seinem großzügigen Radstand zwar gut, bei ungleichmäßigem Untergrund wirkt er durch die straffe Abstimmung aber schnell etwas hektisch und hölzern. Mehr Souveränität und Ruhe ist aber frühestens bei einem Modellwechsel zu erwarten. Bis dahin dürfte es allerdings noch eine Weile dauern. Der Clio verkauft sich laut Renault prächtig: 2015 wurden weltweit 410.000 Fahrzeuge verkauft - der höchste Wert seit Markteinführung 2012. Das ist ungewöhnlich, normalerweise verläuft eine Absatzkurve genau andersherum. Der stabile Erfolg des begehrtesten Renault-Modells erklärt aber auch die sehr vorsichtig durchgeführte Modernisierung zur Lebensmitte: Zu großen Eingriffen sah man in Frankreich keinen Grund.

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