Live in der Stadthalle

Sängerin Anastacia: Noch lange nicht „Outta Love“

Pop-Rock
13.10.2026 00:09
Porträt von krone.at
Von krone.at

Sie rockte, scherzte und überließ auch ihrer Band das Rampenlicht: Anastacia machte am Montag in der Wiener Stadthalle deutlich, dass ihre Konzerte weit mehr als eine nostalgische Hitparade sind. Zwischen Gänsehautmomenten, flotten Outfitwechseln und jeder Menge Humor kam keine Langeweile auf.

kmm

„Holy Moly, wie viele Jungfrauen haben wir heute Abend?“ Bitte was? Keine Sorge, Pop-Ikone Anastacia meinte damit lediglich jene Fans, die sie an diesem Montagabend zum ersten Mal live erleben durften. Und davon gab es offenbar einige! Rund 2000 eingefleischte Fans sowie „Jungfrauen“ versammelten sich in der ausverkauften Halle F der Wiener Stadthalle, um eine Frau zu hören, die mit Hits wie „I‘m Outta Love“, „Paid My Dues“ oder „Sick and Tired“ die Poplandschaft der 2000er-Jahre ordentlich aufmischte. Und eines sei gleich vorweggenommen: Von ihrer gewaltigen Stimme hat die mittlerweile 58-Jährige auch nach mehr als 25 Jahren nichts eingebüßt.

Doch bevor die Sängerin selbst zum Mikrofon griff, durften erst einmal andere ran. Um 19 Uhr eröffneten die Jungs der britischen Pop-Rockband ACROBVT den Konzertabend und heizten dem Publikum ordentlich ein. Während auf der Bühne bereits musiziert wurde, war das Stimmwunder hinter den Kulissen noch mit einem Meet & Greet und einigen Interviews beschäftigt. Auch die „Krone“ durfte kurz vor dem Auftritt noch ein paar Worte mit ihr wechseln.

Stimmgewaltig und voller Energie: Die 58-Jährige begeisterte alle Fans von Jung bis Alt.
Stimmgewaltig und voller Energie: Die 58-Jährige begeisterte alle Fans von Jung bis Alt.(Bild: Andreas Graf)

Um Punkt 20 Uhr ging es dann endlich los: Auf ihrer „#NTK26“-Tour feiert Anastacia das 25-jährige Jubiläum ihres Debütalbums „Not That Kind“ und nimmt ihre Fans mit auf eine musikalische Zeitreise. Mit einem instrumentalen Medley ihrer größten Hits stimmte zunächst ihre Liveband auf den Abend ein, ehe die Sängerin mit „One Day in Your Life“ die Bühne betrat. Und schon hielt es die ersten Fans nicht mehr auf ihren Sitzen. Kein Wunder, schließlich hat auch dieser Hit mittlerweile fast 25 Jahre auf dem Buckel und zählt bis heute zu ihren beliebtesten Songs.

Von Pop bis Rock – 25 Jahre Anastacia
Energiegeladen ging es mit „Now or Never“ weiter, bevor die Sängerin ihre Gäste begrüßte. „Hallo Vienna!“, rief sie gut gelaunt ins Publikum und erlaubte den Fans anschließend sogar, sich wieder hinzusetzen. Ein Angebot, von dem allerdings nicht allzu lange Gebrauch gemacht wurde. Denn spätestens bei „Paid My Dues“ und „Sick and Tired“ war nämlich wieder vollste Bewegung in der Halle. Es wurde geklatscht, mitgesungen und mit den Armen gewippt. Und Anastacia? Die bewies einmal mehr, warum sie seit Jahrzehnten zu den markantesten Stimmen der Popwelt zählt. Kraftvoll, rauchig und unverwechselbar - die hohen Töne saßen ebenso wie die tiefen.

Gut gelaunt in Gold-Jacke und blauer Sonnenbrille: Anastacia ist für jeden Spaß zu haben.
Gut gelaunt in Gold-Jacke und blauer Sonnenbrille: Anastacia ist für jeden Spaß zu haben.(Bild: Andreas Graf)

Dass die US-Amerikanerin musikalisch nicht gerne in eine Schublade gesteckt wird, zeigte sich auch an diesem Abend. „Ich liebe Rock, Funk, Soul und Pop“, erklärte sie, bevor sie ihre siebenköpfige Band vorstellte. Und die durfte gleich beweisen, dass sie tatsächlich so einiges draufhat. Von sanften Gitarrenklängen über rockige Riffs bis hin zu einem kurzen Abstecher zu „Barbie Girl“ war alles dabei. Während Anastacia für einen Outfitwechsel hinter der Bühne verschwand, übernahmen ihre Musiker das Kommando. Mit einem Medley aus „Vogue“, „No Diggity“ und „Everybody“ hielten sie die Stimmung aufrecht. Die Sängerin kehrte wenig später in einem langen, grün glitzernden Kimono zurück und schlug mit „Heavy on My Heart“ und „You‘ll Never Be Alone“ ruhigere Töne an.

„Die Toten Hosen mögen ja eigentlich niemanden“
Ein besonderes Highlight war aber auch ihre Liebe zur deutschen Musik. Schließlich hat Anastacia bereits mit Größen wie Peter Maffay zusammengearbeitet und Songs von Udo Lindenberg neu interpretiert. Und sogar Die Toten Hosen haben es ihr angetan. „Die mögen ja eigentlich niemanden. Sie sind Punkrock durch und durch, aber dieses kleine Pop-Girl mögen sie“, scherzte die Sängerin. Mit „Best Days“, ihrer englischen Version von „Tage wie diese“, sorgte sie schließlich für einen weiteren musikalischen Höhepunkt.

Vollgas: Die Sängerin zeigte, dass man sich auch nach 25 Jahren eine Scheibe von ihr ruhig ...
Vollgas: Die Sängerin zeigte, dass man sich auch nach 25 Jahren eine Scheibe von ihr ruhig abschneiden könnte.(Bild: Andreas Graf)

Besonders berührend wurde es, als Anastacia gemeinsam mit zwei ihrer Musiker auf Stühlen Platz nahm und einige Songs in akustischen Versionen präsentierte. Vor „How Come the World Won’t Stop“ sprach sie über den Verlust eines geliebten Menschen und darüber, wie schwer es ihr gefallen sei, damit umzugehen. Doch als trauriges Lied wollte sie den Song nicht verstanden wissen. Vielmehr sollte er den Menschen das Gefühl geben, jenen wieder ein Stück näher zu sein, die nicht mehr unter ihnen sind. Ein ruhiger, ehrlicher Moment zwischen all der Energie, der zeigte, dass Anastacia nicht nur mit ihrer Stimme, sondern auch mit ihren Worten berühren kann. Mit „Welcome to My Truth“ und „Wishing Well“ ging es gefühlvoll weiter, ehe sie ihrer Band erneut die Bühne überließ.

Auch Band hatte ihre Solo-Momente und stand im Rampenlicht
Backgroundsängerin Holly brachte das Publikum mit „All Right Now“ zum Mitsingen, ehe Anastacia in ihrem nächsten Outfit, diesmal mit Fransenjacke, auf die Bühne zurückkehrte und bei „Sweet Child o’ Mine“ von Guns N’ Roses ihre rockige Seite auspackte. „Boxer“ und eine kraftvolle Version von „Left Outside Alone“ legten schließlich noch eine große Portion Rock obendrauf. Doch damit war der Abend noch lange nicht vorbei. Im vierten Outfit, einer glitzernden Jacke mit Leggings und hohen Stiefeln, betrat sie erneut durch die eigens aufgebaute Tür die Bühne und läutete mit „Not That Kind“ das große Finale ein. Mit einem kleinen Gesangsduell zwischen Bühne und Publikum näherte sich der Abend seinem Ende. Ein gesungenes „Thank you, Vienna“ im Swing-Stil gab es obendrauf.

Unverwechselbar – Anastacia ist seit mehr als zwei Jahrzehnten im Musik-Business.
Unverwechselbar – Anastacia ist seit mehr als zwei Jahrzehnten im Musik-Business.(Bild: Andreas Graf)

„Danke, ihr Jungfrauen. Jetzt seid ihr es nicht mehr!“, scherzte sie schließlich, bevor sie mit „I‘m Outta Love“ noch einmal alles gab. Es wurde mitgesungen, mitgetanzt ja sogar mitgepfiffen – Standing Ovations inklusive. Ein gemeinsames Selfie mit dem Publikum, ein letzter A-cappella-Chor von „Left Outside Alone“ und damit war der krönende Abschluss sicher.

Fazit: Nach rund eineinhalb Stunden an einem Monagabend, bleibt vor allem eines hängen: Diese Frau kann singen! Und wie auch. Mit 58 Jahren steht Anastacia noch immer voller Energie auf der Bühne, nimmt sich selbst nicht allzu ernst und beweist, dass zwischen Pop, Soul und Rock durchaus Platz für jede Menge Gefühl ist. Dazu eine großartige Liveband, die nicht nur Begleitung, sondern ein wichtiger Teil der Show war. 

Dass Anastacia auch nach mehr als 25 Jahren im Musikgeschäft noch einiges vorhat, verriet sie der „Krone“ bereits kurz vor ihrem Auftritt. „Ich habe einige Ideen im Kopf, die ich vielleicht schon bald umsetzen werde“, erzählte sie. Am 20. November soll zunächst ihr neues Album „Symphonic Revolution“ erscheinen, für das sie ihre größten Hits gemeinsam mit einem 60-köpfigen Symphonieorchester neu aufgenommen hat. „Vor fünf Jahren hätte ich selbst nicht gedacht, dass ich einmal ein Orchesteralbum machen würde“, so die Sängerin zu uns. „Manchmal passieren die besonderen Dinge im Leben einfach genau zum richtigen Zeitpunkt.“

Und was die Liebe zwischen Anastacia und ihren Fans betrifft, ist eines nach diesem Konzert sicher: „Outta Love“ sind hier noch lange nicht alle ...

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