Wer in Istrien schon einmal auf Urlaub war, denkt wohl zuerst an türkisblaues Meer, malerische Küstenorte und traumhafte Badebuchten. Doch unter der Wasseroberfläche verbirgt sich eine Sensation, die Millionen Jahre zurückreicht. Vor der kroatischen Halbinsel haben Forscher Dinosaurierknochen entdeckt, die rund 130 Millionen Jahre alt sind. Besonders spektakulär: Die Überreste dürften zu einer bislang unbekannten Art gehören.
Vor der Küste Kroatiens schlummert ein Stück Erdgeschichte, das selbst erfahrene Forscher staunen lässt. Bei der Ortschaft Bale in Istrien bergen Wissenschaftler die Überreste eines riesigen Dinosauriers, der vor rund 130 Millionen Jahren lebte.
Besonders außergewöhnlich ist nicht nur das Alter der Knochen, sondern auch der Fundort: Es handelt sich nach bisherigen Erkenntnissen um die weltweit erste bekannte Fundstelle von Dinosaurierknochen unter dem Meer.
Ein Riese wie aus „Jurassic Park“
Ein internationales Wissenschaftlerteam arbeitet laut kroatischen Medien derzeit daran, die fossilen Überreste aus dem Wasser zu holen. Nach ersten Einschätzungen gehören sie zu einer bisher unbekannten Dinosaurierart.
Der Paläontologe Matthew Lamanna aus den USA zeigte sich gegenüber dem Sender HRT überzeugt, dass es sich um eine wissenschaftlich bedeutende Entdeckung handelt.
Die gefundenen Knochen stammen offenbar von einem großen, langhalsigen Pflanzenfresser. Der Paläontologe Frano Vidaković erinnert das Tier an eine berühmte Szene aus dem Film „Jurassic Park“. „Sie kennen doch diesen Dinosaurier am Anfang von ,Jurassic Park‘, als die Paläontologen ungläubig aus dem Jeep steigen, weil sie kaum fassen können, was sie sehen? Genau so einer war das - ein großer, langhalsiger Dinosaurier mit säulenartigen Beinen, einem langen Schwanz und einem langen Hals, der sich von Pflanzen in den Baumkronen ernährte“, schilderte Vidaković.
„Der Dinosaurier ist zweifellos eine neue Art“
Bislang wurden Teile der Halswirbelsäule, ein Knochen aus dem Lendenbereich und Rippen gefunden. Die Wissenschaftler untersuchen die versteinerten Überreste, um mehr über das Tier herauszufinden. „Der Dinosaurier, den wir ausgraben, ist zweifellos eine neue Art“, betonte Lamanna. Dass es sich tatsächlich um Knochen und nicht bloß um ungewöhnlich geformte Steine handelt, lässt sich laut dem US-Paläontologen an winzigen Strukturen erkennen.
„Für viele Menschen würde das wie ein Stein aussehen. Doch ein Detail zeigt uns, dass es sich um einen Dinosaurierknochen handelt. Das sind die kleinen Poren, die Trabekel genannt werden. Sie zeigen uns, dass dies viel mehr als ein Stein ist - nämlich ein 130 Millionen Jahre alter Dinosaurierknochen“, so Lamanna gegenüber HRT weiter.
Einzigartiger Fund in mehreren Metern Tiefe
Die Knochen liegen im paläontologischen Reservat Datule-Barbariga in einer Tiefe von etwa eineinhalb bis sechs Metern. Der Paläontologe und Geologe Aleksandar Mezga unterstrich die Besonderheit des Fundes. „Das ist weltweit der erste derartige Fall. Menschen, die alle möglichen Fundstätten besucht haben, sagen, dass sie so etwas nirgendwo sonst gesehen haben“, erklärte er. Auch die Landschaft sah vor 130 Millionen Jahren völlig anders aus als heute. Das Gebiet, das inzwischen Istrien bildet, lag damals ungefähr dort, wo sich heute Nordafrika befindet.
Die Geschichte der Dinosaurierfunde in der Region reicht mehrere Jahrzehnte zurück. Bereits 1993 wurden dort Knochen entdeckt - allerdings durch einen Zufall. Ein Mann hatte damals im Gebiet nach Meeresmuscheln gesucht und dafür Gestein aufgebrochen. Dabei stieß er unvermittelt auf einen Knochen. Zum Glück kannte er einen italienischen Paläontologen, der den Fund einordnen konnte.
Der Saurier dürfte diesem recht ähnlich gesehen haben:
Viel Dino-Verkehr in Istrien
Damit bekam Istrien seinen ersten bekannten Dinosaurier, der den Namen Histriosaurus Boscariolliaerhielt. Die jetzt geborgenen Überreste stammen nach Einschätzung der Forscher von einer verwandten, aber anderen Art.
Die Wissenschaftler gehen außerdem davon aus, dass sich am Meeresgrund vor Bale noch weitere Überreste befinden könnten. Die bisherigen Funde dürften demnach erst einen Teil dessen zeigen, was dort unter Wasser verborgen liegt.
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