Des einen Freud, des anderen Leid: Im Ringen um einen neuen Notarztstützpunkt in der Region Eisenwurzen haben sich Ober- und Niederösterreich gegenüber der Steiermark durchgesetzt. Denn der nun vereinbarte Standort Weyer (Oö.) lässt die Bewohner entlang der steirischen Eisenstraße weiter auf eine bessere Versorgung warten.
Oberösterreich, Niederösterreich und die Steiermark haben sich auf einen gemeinsam finanzierten Notarztstützpunkt in Weyer geeinigt. Das Oberösterreichische Rote Kreuz soll den Betrieb übernehmen. Details der neuen länderübergreifenden Kooperation müssen noch vertraglich vereinbart werden.
Krisengipfel gefordert
Die drei Landesregierungen präsentierten die Einigung am Freitag geschlossen als wichtigen Schritt für eine bessere Notfallversorgung. Aus steirischer Sicht ist allerdings Skepsis angebracht. Kritik kommt vor allem von der SPÖ: „Das Ergebnis lässt Tausende Steirer in der Versorgungswüste zurück.“ Insbesondere die Bewohner der Gemeinden Eisenerz, Radmer, Wildalpen, Landl und Teilen von Admont könnten sich weiterhin nicht auf einen bodengebundenen Notarztstützpunkt verlassen. „Das ist eine vergebene Jahrhundertchance“, übt der Liezener SPÖ-Abgeordnete Mario Lindner scharfe Kritik.
Lindner fordert einen regionalen Krisengipfel mit Landespolitikern, Bürgermeistern und Einsatzorganisationen. SPÖ-Klubobmann Hannes Schwarz drängt darauf, sämtliche Entscheidungsgrundlagen offenzulegen. Auf seine Initiative soll sich zudem am 2. Dezember ein Unterausschuss für Rettungswesen mit dem Thema befassen. Dazu sollen Experten des Roten Kreuzes und des Landessanitätsrates gehört werden. Denn eine bereits Ende 2025 vom Roten Kreuz Liezen vorgelegte Analyse möglicher Standorte sprach klar für Altenmarkt bei St. Gallen. Dieser Standort habe bei der Abdeckung der drei Bundesländer und der Vermeidung von Überschneidungen Vorteile geboten.
Wie dringend die Frage ist, zeigt die Vorgeschichte: Das Rote Kreuz hatte für die Region bei einem Ausfall der Flugrettung Eintreffzeiten von bis zu 40 Minuten und mehr für bodengebundene Notärzte erhoben. Im Oktober 2025 starb ein 19-Jähriger nach einem medizinischen Notfall am Buchauer Sattel. Wegen dichten Nebels konnte der Rettungshubschrauber nicht landen, der bodengebundene Notarzt traf erst nach mehr als 40 Minuten ein. Ob eine frühere Versorgung sein Leben hätte retten können, ist nicht belegt.
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