„Blase geht Luft aus“

KI-Panik ließ Börsen nach US-Wahlen beben

Wirtschaft
06.11.2026 13:40

Nach den US-Zwischenwahlen sind die Anleger regelrecht in KI-Panik verfallen. Rund um den Globus rasselten Aktienkurse in den Keller, an einer Börse wurde der Handel deshalb sogar ausgesetzt. US-Präsident Donald Trump gibt den Demokraten die Schuld daran und hat damit gar nicht so unrecht.

„Der Aktienmarkt erlebte aufgrund der Wahlergebnisse einen der schlimmsten Tage seiner Geschichte. Es ist so traurig, das mit anzusehen“, schreibt US-Präsident Donald Trump auf seiner Plattform Truth Social. Verantwortlich dafür seien die Demokraten.

So unrecht hat Trump damit nicht: Bei den Zwischenwahlen in den USA haben die Demokraten einen Erdrutschsieg hingelegt und die Kontrolle über den Kongress gewonnen. Das hat KI-Panik bei den Anlegern ausgelöst. Denn die Demokraten stehen der Künstlichen Intelligenz skeptischer gegenüber als die Republikaner und Tech-Konzerne müssen sich jetzt auf mehr Gegenwind bei ihren riesigen KI-Rechenzentren einstellen. Die Börsen haben mit Panik-Verkäufen und enormen Kurseinbrüchen im Tech-Sektor reagiert.

Kritik an Rechenzentren

  • Rechenzentren sind ein wesentlicher Bestandteil der KI-Infrastruktur und bestehen aus zahlreichen standardisierten Metallgestellen mit Halbleitern.
  • Rechenzentren stehen in der Kritik wegen ihres immensen Strombedarfs, die auch die Energiepreise für die Bevölkerung in die Höhe treiben könnten. Dazu kommen Sorgen wegen Lärm, Luftverschmutzung und vor Wassermangel.

Ein Platzen der KI-Blase sieht Experte Ed Yardeni vom Finanzanalyse- und Beratungsunternehmen Yardeni Research trotzdem nicht. „Ich denke, es handelt sich um eine KI-Blase, aus der sehr, sehr schnell Luft entweicht“, sagt er dem US-Sender NBC. Er glaubt sogar, „dass das die Wahrscheinlichkeit verringert, dass es zu einem Platzen der Blase kommt“.

Enorme Kurseinbrüche
Doch schon die ausgehende Luft der KI-Blase brachte die Börsen zum Beben. Am Donnerstag brach der Kurs der Nvidia-Aktie um mehr als neun Prozent ein. Die Papiere des Halbleiterriesen Micron krachten mehr als 17 Prozent nach unten und bei vielen Aktien von anderen US-Tech-Unternehmen schaute das Bild ähnlich aus.

Auch abseits der USA reagierten die Anleger heftig. „Der Ausverkauf an den Technologiemärkten hat sich verschärft“, sagt Expertin Susannah Streeter beim Anlageberater Wealth Club. Die Auswirkungen davon hätten sich „direkt auf Asien übertragen und die Stimmung in Europa gedämpft“, zitiert die Zeitung „The Guardian“ sie.

Die schlechte Stimmung auf den Märkten schwappte bis nach Europa.
Die schlechte Stimmung auf den Märkten schwappte bis nach Europa.(Bild: AP/Michael Probst)

Börse setzte Handel aus
In Asien sackten etwa die Aktien von Samsung Electronics, TSMC oder SK Hynix spürbar ab. In Südkorea ging es für den Leitindex sogar so heftig bergab, dass die Börse in der Hauptstadt Seoul den Handel für 20 Minuten aussetzte. Das sollte verhindern, dass die Anleger noch weitere Panikverkäufe tätigen und eine Abwärtsspirale anfeuern.

Schlechte Stimmung in Europa
In Europa sackten die Papiere vom deutschen Chip-Hersteller Infineon und dem niederländischen Chipindustrie-Ausrüster ASML ordentlich ab. Wichtige europäische Indizes wie der Euro-Stoxx-50, der deutsche Leitindex DAX oder der britische FTSE-100 waren am Freitag im Minus. An der Wiener Börse verlor der ATX ebenfalls an Wert.

Ist das ETF-Portfolio in Gefahr?
Viele Privatanleger fürchten aktuell um ihr Geld, dass in Aktien & Co. geparkt ist. Beliebt bei privaten Investoren sind auch ETFs – also börsengehandelten Fonds aus oft tausenden Aktien. Diese orientieren sich bei der Zusammensetzung oft an gängigen Welt-Indizes wie dem MSCI World, die in den vergangenen Jahren stark technologielastig geworden sind. Die Folgen des aktuellen Tech-Einbruchs sehen viele Privatanleger jetzt deshalb direkt in ihrem Portfolio.

Experten raten den ETF-Investoren trotzdem zur Ruhe. Wer über viele Jahre hinweg breit gestreut für die Altersvorsorge spart, muss nach Ansicht von Verbraucherschützern und Vermögensverwaltern nicht in Panik verfallen. Korrekturen von 10 bis 20 Prozent gehören zur normalen Schwankungsbreite an den Aktienmärkten.

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