Kommen auch Strafen?

Telefonierverbot in Öffis: Wien will Ernst machen

Wien
05.03.2026 13:51

Weil sich immer mehr Fahrgäste in Bim, Bus und U-Bahn über lautes, rücksichtsloses Telefonieren ärgern, greifen die Wiener Linien und die Stadt jetzt durch und kündigen strenge Kontrollen an. 

Lautes Telefonieren, Musikhören oder das Abspielen von Videos ohne Kopfhörer – all das ist in den Öffis der Stadt verboten. So steht es in der Hausordnung der Wiener Linien. Doch daran halten sich nur die wenigsten. Derzeit werden diese Regelverstöße zwar kontrolliert, jedoch noch nicht bestraft. Damit könnte es allerdings bald vorbei sein.

„Niemanden interessieren Beziehungsprobleme“
Donnerstagvormittag präsentierten die Wiener Linien unter dem Titel „Host kan Genierer?“ eine neue Bewusstseinskampagne. Für mehr Rücksicht und Respekt in U-Bahn, Bim und Bus. „Niemanden interessieren lautstarke Debatten über Beziehungsprobleme anderer Fahrgäste, genauso wenig wie die Einkaufsliste, das Abendmenü oder die Wochenendplanung“, so Stadträtin Ulli Sima (SPÖ). Dazu zählen aber auch das Essen in den Fahrzeugen, lästige Rucksäcke auf dem freien Sitzplatz oder am Rücken. Sowie der fehlende Maulkorb für den mitfahrenden Hund.

Zitat Icon

Unsere Öffis sind ein gemeinsamer Raum und der verlangt Respekt. Rücksichtsloses Verhalten ist schlichtweg nicht akzeptabel.

Verkehrsstadträtin Ulli Sima (SPÖ)

Sämtliches Fehlverhalten wird der Wiener Linien-Sicherheitsdienst ab sofort ermahnen. Auf der anderen Seite soll aber auch die Zivilcourage unter den Fahrgästen gestärkt werden, um Mitfahrende auf die Regeln hinzuweisen. Dass der Handlungsbedarf eindeutig gegeben ist, zeigen nicht nur die persönlichen Erfahrungen der 2,4 Millionen Fahrgäste, die tagtäglich mit den Öffis unterwegs sind. Sondern auch eine aktuelle Umfrage der Wiener Linien mit rund 800 Teilnehmern zwischen 16 und 75 Jahren.

86 Prozent stört lautes Telefonieren
Gleich 86 Prozent fühlen sich durch genau dieses Verhalten gestört. Nur 9 Prozent der Befragten geben an, schon einmal laut über Lautsprecher telefoniert oder Videos ohne Kopfhörer geschaut zu haben – eine deutliche Wahrnehmungslücke.

92
PROZENT
der Fahrgäste bei den Wiener Linien halten es laut einer Umfrage für wichtig, dass lautes Telefonieren und Videoschauen ohne Kopfhörer in den Öffis unterlassen wird.

Auch bei einer „Krone“-Umfrage vor dem Einkaufszentrum Stadioncenter in der Leopoldstadt zeigt sich: Das Thema beschäftigt die Menschen. Egal, ob jung oder alt. Pensionistin Ramona Hartmann (71), findet, dass man ein wichtiges Telefonat in den Öffis durchaus annehmen kann. Max S. (16) wünscht sich hingegen eine andere Gangart. Er steht hinter dem Telefonierverbot, aber: „Das wird nur mit Strafen gehen.“ Doch genau die soll es vorerst nicht geben.

Ab kommenden Montag wird es in den Stationen und Fahrzeugen vier „Host kan Genierer?“-Durchsagen geben.

Hier die "Host kan Genierer?"-Durchsage
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Zusätzlich werden im gesamten Stadtgebiet Plakate zu sehen sein. Mit einem Riesen-Handy und ein Telefonat, das akustisch den gesamten Waggon dominiert. Auch eine überdimensionierte Leberkäsesemmel in der U-Bahn, deren Duft die Mitfahrenden anwidert. 

Ich komme aus Peru, dort ist es in den Öffis viel lauter als hier. Mich stört das Telefonieren nicht so. Schlimmer ist es, wenn Mitfahrende laut Musik hören.

Manuel Vera Tudela (41), Musiker

Wenn es ein wichtiges Telefonat ist, dann kann man schon einmal rangehen. Aber Essen in den Öffis – das geht, finde ich echt gar nicht!

Ramona Hartmann (72), Pensionistin

Ich finde es sehr gut, dass sich die Wiener Linien jetzt darum kümmern wollen. Das wird aber nur mit Strafen gehen. Vor allem für Leute, die es nicht einsehen

Maximilian S. (16), Schüler

Wenn ich unterwegs bin, schaue ich Videos auf meinem Handy nur mit Kopfhörern auf. Lautes Telefonieren finde ich extrem nervig und einfach nur störend.

Niklas H. (16), Schüler

Es ist wirklich sinnvoll, dass man sich nun darum kümmert. Doch für die erfolgreiche Umsetzung der Verbote wird es sicher auch Strafen brauchen.

Livio S. (16), Schüler

„Wir können aber auch anders“
Doch was, wenn es mit dem Schmäh, ein paar Durchsagen und einer humorvollen Kampagne nicht reicht? „Wir schauen uns das jetzt ein paar Monate an“, gibt Stadträtin Sima den Zeithorizont vor. Schon jetzt sei es für die Security der Wiener Verkehrsbetriebe möglich, bei Verstößen gegen die Hausordnung, 50 Euro Strafe zu verhängen, betont die Politikerin. „Wir können aber auch anders“, legt Wiener-Linien-Chefin Alexandra Reinagl dann nach. Sollte sich die Situation in den Öffis also nicht bald verbessern, könnten künftig also sehr wohl vermehrt Strafen und Geldbußen verhängt werden.

Ein Blick in das Vereinigte Königreich zeigt, dass es auch anders geht. Die Stadt London geht etwa schon länger gegen Kopfhörer-Verweigerer vor. Bei Zuwiderhandlung drohen Verweise durch das Personal oder im Extremfall sogar hohe Geldstrafen von bis zu 1000 Pfund. Auch in Ländern wie Frankreich oder Portugal sind solche Maßnahmen bereits üblich.

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