Bei einem nächtlichen Warnstreik in Ingolstadt (Oberbayern) haben ungefähr 3000 Audi-Beschäftigte gegen Einsparungen protestiert. In der vergangenen Woche hatte ihnen der Konzern ein Angebot unter der Inflationsrate vorgelegt – nämlich einen Tarifvertrag, der eine Einmalzahlung von einem Prozent des Bruttojahresgehalts im Sommer 2027 vorsieht.
Im Sommer 2028 soll dann eine Tariferhöhung um 1,3 Prozent folgen. „Unsere Rechnungen kommen jeden Monat, nicht erst im Sommer 2028“, kommentierte Karola Frank, IG Metall Vertrauenskörperleiterin. „Die Führungsetage zieht die Schlechtwetterklausel, weil sie es nicht schaffen, unsere Autos zu vermarkten und zu verkaufen.“ Diese Klausel sieht Verhandlungen mit dem Betriebsrat über Sparmaßnahmen vor, wenn sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stark verschlechtern.
Derzeit steht vor allem die mögliche Schließung des Audi-Werks in Neckarsulm im Raum. Chef Gernot Döllner hat angekündigt, dass in den USA ein Werk gebaut werde. „Dass Audi in den USA produzieren will, halte ich für richtig“, sagte Landesbezirksleiter Horst Ott. Er kritisierte allerdings den Auftritt von Döllner bei einem Wahlkampftermin von US-Präsident Donald Trump. „Auf diese Art Audi zu vertreten, ist armselig“, sagte er. Überhaupt sei der Zeitpunkt falsch, dieser sei „instinktlos und respektlos“ gegenüber den Menschen an den deutschen Standorten.
Frank forderte eine „belastbare Zukunftsperspektive“ für die beiden Werke in Ingolstadt und Neckarsulm. Zudem setzt sich die Gewerkschaft IG Metall für fünf Prozent höhere Entgelte und höhere Ausbildungsvergütungen um 110 Euro bei einer Laufzeit von einem Jahr ein. Der Automobilhersteller hat Anfang Oktober angekündigt, künftig Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an die Rüstungsindustrie zu verleihen, beispielsweise an Airbus und Diehl. Der Einsatz soll freiwillig, befristet und regional sein.
Auch bei anderen Unternehmen wird gestreikt
Die Gewerkschaft IG Metall ruft bereits seit dem Wochenende zu umfassenden Warnstreiks in der Metall- und Elektronikindustrie in Deutschland auf. Betroffen waren bisher unter anderem auch das Stahl- und Technologieunternehmen Thyssenkrup, der Automobilhersteller Opel und der Schaeffler-Konzern. Für den heutigen Dienstag hat die Gewerkschaft in 41 Betrieben zu vorübergehenden Arbeitsniederlegen aufgerufen. In Augsburg, Passau und Aschaffenburg sind größere Kundgebungen geplant. Bei den Tarifverhandlungen geht es insgesamt um etwa 3,7 Millionen Beschäftigte.
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