„Sind mobilisiert“
Proteste: Mehrere Unis in Frankreich geschlossen
Die Proteste junger Menschen gegen Missstände im Bildungswesen in Frankreich gehen auch nach den Herbstferien weiter: Am Dienstag blieben mehrere Universitäten geschlossen, und Schülerinnen und Schüler blockierten nach Regierungsangaben 48 Oberschulen.
„Wir wollen der Regierung zeigen, dass die Universitäten immer noch mobilisiert sind, und dass wir konkrete Antworten erwarten“, sagte Suzanne Nijdam, Vorsitzende des größten Studierendenverbands, der Nachrichtenagentur AFP.
Nach offiziellen Angaben waren am Vortag 15 Prozent der Hochschulen von Protestaktionen betroffen. Die Regierung hatte am Montag 41 Schulblockaden gemeldet, ein Schülerverband hingegen sprach von 169 blockierten Schulen landesweit. In mehreren Fällen wurden Mülltonnen in Brand gesetzt.
Schüler: „Haben bislang nur Krümel erhalten“
Am Dienstagmorgen waren unter anderem Gymnasien in Paris, Rennes und Toulouse betroffen. Auch vor der Eliteschule Louis Grand im Zentrum von Paris blockierten Jugendliche den Eingang mit Mülltonnen. „Man verspricht uns Reformen, damit die Bewegung sich auflöst, aber bisher haben wir nur Krümel erhalten“, sagte die 16 Jahre alte Schülerin Soline in Toulouse. Vor ihrer Schule beteiligten sich auch Lehrer an den Protesten. „Wir haben genau dieselben Forderungen“, sagte der Mathelehrer Raphaël Gironimi und zählte die Missstände auf: „Wir haben 35 Schüler pro Klasse, und die Schule ist weder an Hitzewellen noch an Winterkälte angepasst“, sagte er.
Maßnahmen für Schülerverbände nicht ausreichend
Die Regierung hatte angesichts der seit Mitte September anhaltenden Schülerproteste zugesagt, das umstrittene Bewerbungsverfahren für Hochschulen zu reformieren, 500 zusätzliche Lehrerstellen und 15.000 Hochschul- und Ausbildungsplätze zu schaffen. In der zehnten Jahrgangsstufe sollten sich höchstens 28 Schüler pro Klasse befinden. Schülerverbände hatten die Maßnahmen als nicht ausreichend bezeichnet.
Unterdessen gab Justizminister Gérald Darmanin die jüngsten Zahlen zu den juristischen Folgen der Gewalttaten am Rand der Demonstrationen seit Mitte Oktober bekannt: Demnach kamen knapp 5.000 Menschen in Polizeigewahrsam, davon 30 Prozent Minderjährige. Etwa 330 Menschen wurden inhaftiert, sei es in Untersuchungshaft oder nach Urteilen in Schnellverfahren. Die Verurteilten seien zu 95 Prozent männlich, zu zwei Dritteln zwischen 18 und 25 Jahre alt und zu 70 Prozent Franzosen. Etwa die Hälfte sei zuvor nicht strafrechtlich verfolgt gewesen.

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