Am Mittwoch muss Rekord-Pleitier René Benko erneut im Landesgericht Innsbruck erscheinen. Wieder einmal steht der Verdacht der betrügerischen Krida und des Betrugs im Raum. Bei zweiterem hat Benko einen mächtigen Kontrahenten: den langjährigen Strabag-Chef Hans Peter Haselsteiner.
René Benko und Hans Peter Haselsteiner waren nicht nur Geschäftspartner, auch persönlich kannte man sich gut. Haselsteiner gehörte zum engsten Umfeld des Immobilienjongleurs. Wohl daher rührt es auch, dass sich Haselsteiner darauf einließ, gegen eine „persönliche Garantie“ Benkos fünf Millionen Euro zu überweisen, und zwar aus der Familienstiftung des 82-Jährigen.
Das Geld dürfte zur Rettung der Signa-Tochter Sportscheck gedacht gewesen sein, die kurz darauf dennoch in die Insolvenz rutschte. Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft wirft Benko nun vor, seine Garantie an Haselsteiner sei „wahrheitswidrig“ gewesen, dadurch sei die Haselsteiner Privatstiftung um die besagten fünf Millionen Euro geschädigt worden – und zwar vorsätzlich.
„Auf Benko verlassen“
Denn aus Sicht der Korruptionsermittler soll Benko im November 2023, als er das Geld von Haselsteiners Stiftung erhielt, bereits seit etwa zehn Monaten zahlungsunfähig gewesen sein. Haselsteiner gab dazu in seiner Aussage zu Protokoll, man habe sich „auf Benko verlassen“. Ursprünglich hatten Haselsteiner bzw. seine Familienstiftung Juni 2022 Signa-Development-Aktien im Volumen von fünf Millionen Euro erworben hatte.
Der Plan war den Angaben zufolge, dass der Kaufpreis nicht fließt, sondern mit den Dividenden aufgerechnet werden sollte, die der Haselsteiner-Stiftung zugestanden wären. Doch dann sei Haselsteiner von Benko doch um die sofortige Überweisung des Geldes gebeten worden – inklusive des Versprechens, dass er, Benko, persönlich einspringen werde, sollten die Dividenden nicht ausgezahlt werden können.
Millionen für die strauchelnde Holding
Die Vertreter der Privatstiftung sollen dazu verleitet worden sein, rund 3,3 Millionen Euro an die Signa Holding GmbH, an der Haselsteiner beteiligt war, zu überweisen und von der Rückforderung von weiteren 1,7 Millionen Euro Abstand zu nehmen. Nach dem Inhalt der Garantieerklärung sei wahrheitswidrig die (Rück)-Zahlung der rund fünf Millionen Euro bis spätestens 30. Juni 2024 an die Privatstiftung zugesagt worden – was jedoch nie geschah. Ende November 2023 meldete die Signa Holding Zahlungsunfähigkeit an, im April 2024 wurde das Insolvenzverfahren in ein Konkursverfahren abgeändert.
Benko bestreitet diese Vorwürfe vehement. Seine Anwälte betonen, dass „der vermeintliche Betrug schon deshalb scheitert, weil es überhaupt keinen Schaden gibt“ – Haselsteiners Stiftung habe nämlich eine Forderung bezahlt, die längst fällig gewesen wäre.
Haselsteiner als Zeuge geladen
Der 82-jährige Strabag-Gründer, Industrielle und frühere Liberales Forum-Politiker Haselsteiner ist für Mittwochvormittag als Zeuge geladen – es handelt sich um die erste Zeugenaussage Haselsteiners in einem Strafprozess im Rahmen der gesamten Signa- bzw. Benko-Causa. Zudem sind in dem nunmehrigen Prozess zwölf weitere Zeugen geladen, hieß es im Vorfeld. Rund die Hälfte wird am ersten Prozesstag befragt werden. Die Verhandlungen sind jeweils von 8.45 Uhr bis 20 Uhr angesetzt – krone.at wird via Liveticker berichten.
Krida-Vorwurf um Luxus-Gewehr
Der zweite Verfahrenskomplex beschäftigt sich einmal mehr mit dem Vorwurf der betrügerischen Krida. Im Fokus: eine luxuriöse Jagdwaffe Benkos. Konkret soll Benko das Gewehr mit aufwendiger Goldverzierung im Wert von 80.000 Euro gegenüber dem Insolvenzverwalter und den Gläubigern verheimlicht bzw. verborgen haben. Dadurch soll die Befriedigung von Gläubigerforderungen verhindert bzw. geschmälert worden sein. Der 49-Jährige bestreitet auch dies, für ihn gilt in beiden Verfahren die Unschuldsvermutung.
Der Signa-Gründer wurde bereits Ende September in einer anderen Causa in Innsbruck wegen betrügerischer Krida zu 30 Monaten unbedingter Haft verurteilt. Das Urteil betraf eine Schenkung in Höhe von 300.000 Euro an seine Mutter sowie eine Mietvorauszahlung von rund 360.000 Euro für eine Villa auf der Innsbrucker Hungerburg. Es ist mittlerweile rechtskräftig.
Zudem wurde zuletzt ein weiterer Krida-Schuldspruch vom Obersten Gerichtshof bestätigt. Dabei war Benko im Dezember 2025 in seiner Heimatstadt zu 15 Monaten bedingter Haft und einer unbedingten Geldstrafe in Höhe von 4320 Euro verurteilt worden. Benko soll Gläubigern Uhren und Manschettenknöpfe vorenthalten haben.
Mit Fußfessel in Mietwohnung
Eines wird diesmal anders sein als zuletzt: Der 49-Jährige wird nicht direkt aus der Untersuchungshaft in der Innsbrucker Justizanstalt in das Landesgericht gebracht, sondern er kommt quasi von zu Hause, aus dem elektronisch überwachten Hausarrest. Denn Mitte Oktober war es zu einem Paukenschlag gekommen und Benko im Zuge einer Haftprüfungsverhandlung die Fußfessel genehmigt worden. Seitdem lebt er in einer Mietwohnung in der Tiroler Landeshauptstadt.

17 Verfahrensstränge rund um die Signa-Pleite
Was die Causa Signa angeht, so ist das Ende der Fahnenstange noch keineswegs erreicht. Die WKStA ermittelt inzwischen in 17 Verfahrenssträngen, nicht alle betreffen jedoch Benko als Beschuldigten. Auch andere, früher hochrangige Signa-Funktionäre stehen im Fokus der Behörde.
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