Der deutsche Auto- und Industriezulieferer Schaeffler verschärft seinen Sparkurs erheblich. Das Unternehmen will in Europa Tausende Stellen abbauen und fünf Standorte schließen.
Vor allem Deutschland ist betroffen: 2660 der 3460 Stellenstreichungen sollen dort erfolgen. Der Konzern begründete die weiteren Einschnitte mit der Automobilkrise in Europa, die weitere Gegenmaßnahmen und strukturelle Anpassungen wie ein Kostensenkungsprogramm erfordere, hieß es am Dienstag.
Fünf Standorte, davon vier in Deutschland, sollen perspektivisch geschlossen werden. Dazu gehören laut Schaeffler das Werk in Dortmund mit aktuell 430 Beschäftigten sowie der Standort Morbach mit 160 Mitarbeitenden.
Aus für Standort Berlin
Zudem ist laut Schaeffler geplant, die Aktivitäten am Standort Berlin mit aktuell etwa 270 Beschäftigten einzustellen und den Standort Schwalbach aufzugeben. Ein Großteil der rund 385 Beschäftigten solle an den Schaeffler-Standort in Frankfurt wechseln. Insgesamt seien rund 190 Stellen vom Abbau betroffen.
Darüber hinaus sei vorgesehen, die Aktivitäten im Werkzeugbau am Standort Höchstadt einzustellen und im Sondermaschinenbau an den Standorten Erlangen und Schweinfurt Anpassungen vorzunehmen. Ferner seien Kapazitäts- und Strukturanpassungen an weiteren Standorten in Deutschland – darunter Herzogenaurach, Bühl, Höchstadt, Nürnberg und Regensburg – geplant.
Scharfe Kritik von IG Metall
Die deutsche Gewerkschaft IG Metall und der Konzernbetriebsrat kritisierten das neuerliche Sparprogramm scharf. „Bei Schaeffler folge inzwischen ein Abbauprogramm auf das nächste, noch bevor die Folgen des vorherigen bewältigt sind“, sagte Thomas Höhn, Unternehmensbeauftragter der IG Metall für Schaeffler. „Das ist kein Zukunftskonzept für den Industriestandort Deutschland.“ Bereits 2024 und 2025 hatte Schaeffler die Streichung mehrerer tausend Arbeitsplätze beschlossen.
Es ist das zweite Sparprogramm des Unternehmens, nachdem die vor zwei Jahren angekündigten Strukturmaßnahmen abgeschlossen waren und Anfang Oktober 1800 Altersteilzeitverträgen geschlossen wurden. Ziel sei es, Überkapazitäten abzubauen, Entwicklungskapazitäten anzupassen, Personalkosten zu senken und die Komplexität der Organisation zu reduzieren.
Jede zweite Stellenstreichung betrifft Produktion
Zum Stellenabbau hieß es, rund 50 Prozent beträfen die Produktion, 30 Prozent den Bereich Forschung und Entwicklung und 20 Prozent weitere Funktionsbereiche. Vom Abbau seien 16 Standorte in der Region Europa betroffen.
Das jährliche Ergebnis solle sich durch die Maßnahmen ab 2030 um 300 Millionen Euro verbessern. Schaeffler-Chef Klaus Rosenfeld veranschlagt für das Sparprogramm Einmalkosten von rund 480 Millionen Euro.
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