Eine entflohene Nonne heiratet einen Mönch, eine Studentin riskiert aus Christenpflicht im Kampf gegen die Nazis ihr Leben: Zwei starke Frauen stehen im Zentrum des Theatergottesdienstes, der in Klagenfurt am Reformationstag, am 31. Oktober, gefeiert wird.
Ohne den frommen Revoluzzer gäbe es keinen Reformationstag, aber ohne die starke Frau an seiner Seite hätte Martin Luther den Umbruch wohl nicht vorantreiben können: Die Missstände in seiner Religion formuliert der katholische Mönch in 95 Thesen, die er am 31. Oktober 1517 veröffentlicht. Unter anderem prangert er den Ablasshandel an, der für Geld die Zeit im Fegefeuer verkürzen sollte. 1525 heiratet Luther die ehemalige Nonne Katharina von Bora.
Sie macht aus dem „Schwarzen Kloster“ von Wittenberg eine Pension, in der Luthers Studenten, aber auch Entscheidungsträger mit dem Reformator über Gott und die Welt diskutieren – bei einem Krug des Bieres, das Frau Luther braut. Sie betreibt die Landwirtschaft und Fischzucht und hält dem Theologen den Rücken frei.
Der reformierte Glaube verbreitet sich – auch wegen des Buchdruckes und Luthers Bibelübersetzung in eine einfache deutsche Sprache. Lutherbibeln aus dem 16. Jahrhundert sind beispielsweise heute noch im GailtalMuseum im Schloss Möderndorf bei Hermagor oder am Zietner-Hof auf dem Kraigerberg verwahrt. Lange konnte in ihnen nur heimlich gelesen, nur heimlich gebetet werden, denn der protestantische Glaube war verboten. Evangelische wurden sogar vertrieben. Maria Theresia ließ Geheimprotestanten beispielsweise nach Siebenbürgen bringen.
Auch Nachkommen des einstigen Landeshauptmannes Georg Khevenhüller (1533 – 1587) mussten Kärnten verlassen, weil sie Protestanten waren. Erst nach dem Toleranzpatent von 1781 konnten sich evangelische Gemeinden öffentlich bilden. Mit der Toleranz war es aber nicht so weit her: Evangelische Bethäuser durften keine Türme, keine Glocken und keinen Zugang von der Straße her haben.
Theatergottesdienst am Reformationstag (Samstag, 31. Oktober, 18 Uhr) in der Klagenfurter Christuskirche mit Pfarrerin Sabine Schmoly, den Chören der Pfarrgemeinden Klagenfurt, Sybille von Both (Orgel & Gesang), Friederike von Krosigk (Schauspiel & Gesang), Annegret Bauerle (Flöte & Gesang).
Eine starke Protestantin jüngerer Zeit war Sophie Scholl: Mit ihrem Bruder Hans und Mitstreitern gründeten sie die „Weiße Rose“ im Widerstand gegen den Nationalsozialismus – das sei Christenpflicht. In den Verhören vor ihrer Hinrichtung wird ihre „selten tiefen Gläubigkeit“ notiert.
Auch Schriftstellerin Ingeborg Bachmann war evangelisch; der erste Träger des nach ihr benannten Preises, Gert Jonke, war seiner Taufkirche, der Klagenfurter Johanneskirche, zeitlebens eng verbunden.
Beim Theatergottesdienst am 31. Oktober in Klagenfurt (Christuskirche, 18 Uhr) stehen Katharina von Bora und Sophie Scholl im Mittelpunkt.
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