Acht Jahre lang war Helmut Riesenfellner Kassier im Freibad Lockenhaus (Burgenland). Wochenlang, Tag für Tag, oft „zehn Stunden oder länger“. Nun ist Schluss, der Bürgermeister beendete das Dienstverhältnis. Und sorgt damit für gewaltigen Wirbel – auch politisch.
Ungerechte Behandlung oder politisches Manöver? In Lockenhaus hängt der Haussegen zwischen der Gemeinde und Helmut Riesenfellner jedenfalls schief. Riesenfellner war heuer Kassier beim örtlichen Freibad, einen Job, den er als Saisonkraft schon acht Jahre lang macht. Laut seien Angaben saß er wochenlang jeden Tag am Schalter, oft zehn Stunden oder länger. Eine richtige Pause habe es nicht gegeben. „Ich habe halt zwischendurch vom Weckerl abgebissen“, sagt der 60-Jährige. Ausgemacht sei das so nicht gewesen. Nur im ersten Jahr habe ein Zweiter kurz mit ihm Dienst versehen. Danach sei er stets alleine gewesen.
Keine Wiedereinstellung
Wirklich viel habe er sich nicht sagen getraut, aus Angst um seinen Job. In den Wintermonaten war er beim AMS gemeldet. „Die haben mich aber in Ruhe gelassen, weil sie gewusst haben, dass ich wieder eingestellt werde“, sagt Riesenfellner. Heuer wurde ihm aber mitgeteilt, dass er nächstes Jahr wohl keine Wiedereinstellung erhalten wird. Das sei „nicht leiwand“, meint der 60-Jährige.
66 Stunden in einer Woche
Wegen seiner Arbeitszeiten erhielt die Gemeinde eine Rüge vom Land: In den Monaten Juli und August 2026 sei durchgehend von Montag bis Sonntag Dienst geleistet worden, steht dort zu lesen. Beispielhaft wird eine Woche angeführt, in der in Summe 66 Dienststunden geleistet wurden. Dabei dürfe die Wochendienstzeit im Zeitraum von 17 Wochen im Durchschnitt 48 Stunden nicht überschreiten und bei einer Tagesdienstzeit von mehr als sechs Stunden sei eine halbstündige Ruhepause einzuhalten, heißt es weiter.
Kritik kommt deswegen von FPÖ-Gemeinderat und Landtagsmandatar Sandro Waldmann: „Die SPÖ hängt sich am 1. Mai das Arbeitnehmer-Mascherl um. Im eigenen Freibad braucht es die Aufsichtsbehörde, damit ein Kassier einen Ruhetag bekommt.“
Politisches Manöver?
Bürgermeister Michael Kefeder (SPÖ) sieht die Sache hingegen anders: Er spricht von einem politischen Manöver von Waldmann und Riesenfellner. „Acht Jahre lang hat alles gepasst und jetzt, nachdem ich ihm gesagt habe, dass ich ihn nicht verlängere, ist das auf einmal ein Thema? Warum ist er dann überhaupt acht Jahre geblieben?“ Laut Kefeder habe es nie eine Beschwerde gegeben.
Der Kassier sei auch noch am Abend am Schalter gesessen, als niemand mehr gekommen sei. „Der Fehler war, dass wir ihn den ganzen Tag dort haben sitzen lassen, obwohl er am Abend nicht mehr gebraucht wurde.“ Auch sei es dem 60-Jährigen nie verboten gewesen, Pausen zu machen, es gebe sogar einen Supermarkt in der Nähe. Er sei aber lieber sitzen geblieben. Der Ortschef vermutet, dass es den Wirbel nur gibt, weil Riesenfellner wegen der fehlenden Wiedereinstellungszusage jetzt nicht mehr ein halbes Jahr lang vom AMS in Ruhe gelassen werde.
Bezahlt wurde nach Mindestlohn
Und: Riesenfellner habe im Vorfeld schon etliche Minusstunden angesammelt, weil er gefehlt habe. Außerdem sei der 60-Jährige in den Monaten September und Oktober noch angestellt gewesen, obwohl in der Zeit nichts mehr zu tun gewesen sei. Bezahlt wurde nach dem Mindestlohn des Landes. Der Bürgermeister ist überzeugt: „Er hat immer alles abgegolten bekommen. Wir haben nichts falsch gemacht.“
Riesenfellner und Waldmann sehen dies anders und wollen rechtliche Schritte ergreifen. Kefeder kündigt unterdessen an, dass es diese Beschäftigung in der Form nicht mehr geben wird.
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