Bereits 69 Todesopfer

„Normale Fahrt?“: Funksprüche stehen im Fokus

Ausland
29.10.2026 14:38
Porträt von krone.at
Von krone.at

Nach dem schweren Zugunglück in Spanien ist die Zahl der Todesopfer auf 69 gestiegen. An der Unglücksstelle wurde in der Nacht auf Donnerstag eine weitere Leiche gefunden – und menschliches Versagen rückt immer weiter in den Fokus. 

Emiliano García-Page, Präsident der Region Kastilien-La Mancha, äußerte die Hoffnung, dass keine weiteren Todesopfer gefunden werden: „Man kann vorsichtig optimistisch sein.“

Auch bei den Schwerverletzten gibt es ihm erste gute Nachrichten. Bei vier der insgesamt 15 Patienten, die ursprünglich in die höchste Dringlichkeitsstufe „Rot“ eingestuft wurden, gebe es eine positive Entwicklung. Nach jüngsten Angaben der Regionalregierung werden 53 Verletzte weiterhin in Krankenhäusern in Kastilien-La Mancha behandelt, weitere 98 in Madrid.

Zugunglück in Spanien

  • Die Zugkollision hatte sich Mittwochfrüh in der zentralspanischen Region Kastilien-La Mancha südlich von Madrid ereignet, als zwei Hochgeschwindigkeitszüge auf gerader Strecke kollidierten.
  • Ein Zug der spanischen Staatsbahn Renfe mit 397 Passagieren an Bord prallte auf einen auf demselben Gleis stehenden Zug des privaten Betreibers Iryo mit 147 Passagieren.
  • Mindestens 69 Menschen kamen ums Leben, mehr als 100 weitere wurden verletzt. Unter den Opfern sollen keine Österreicher sein.
  • Beide Züge waren auf dem Weg von Madrid in die andalusische Großstadt Sevilla. Die Unglücksstelle liegt rund 110 Kilometer Luftlinie südlich von Madrid.
  • Auf der gleichen Strecke waren erst im Jänner 46 Menschen bei einer Zugkollision gestorben. 

Weiterer Waggon muss geborgen werden
Die Einheit für Katastrophenhilfe des Militärs (UME) und weitere Einsatzkräfte arbeiteten die ganze Nacht daran, Trümmer zu beseitigen und mit Kränen die zwei besonders zerstörten Waggons anzuheben. Dabei gelang es ihnen, einen Waggon zu versetzen, der einen Bahndamm hinuntergestürzt war. Ein weiterer umgestürzter Waggon muss noch geborgen werden.

Fehlentscheidungen führten wohl zu Unglück
Bei den Ermittlungen zu der Ursache wird der Funkverkehr zwischen der Leitstelle in Madrid und den beiden Lokführern eine zentrale Rolle spielen. Aus dieser Kommunikation gehen mögliche Fehlentscheidungen der Betriebszentrale hervor.

Luftaufnahmen zeigen das Ausmaß der Zerstörung.
Luftaufnahmen zeigen das Ausmaß der Zerstörung.(Bild: EPA/GUARDA CIVIL HANDOUT)
Wegen des Unglücks nahe der Gemeinde Urda begann am Donnerstag in Spanien eine dreitägige ...
Wegen des Unglücks nahe der Gemeinde Urda begann am Donnerstag in Spanien eine dreitägige Staatstrauer. Auch die Flaggen vor dem EU-Parlament und der EU-Kommission in Brüssel wurden als Zeichen der Trauer und Solidarität auf halbmast gesetzt.(Bild: Krone-Collage/EPA/Fernando Villar, AFP/JAVIER SORIANO)

Nach den Worten von Verkehrsminister Óscar Puente war die Kollision auf eine „unerklärliche“ und „falsche“ Entscheidung der Bahnleitstelle zurückzuführen: Obwohl das automatische Zugsicherungssystem nach einem Computerausfall noch nicht wieder funktionierte, habe die Leitstelle dem Renfe-Zug grünes Licht zur Weiterfahrt gegeben, während der Iryo-Zug noch auf der Strecke stand. 

So habe die Leitstelle spanischen Medien zufolge dem Lokführer des Renfe-Zuges die Anweisung gegeben, „den normalen Fahrbetrieb“ wiederaufzunehmen. Der Lokführer habe noch nachgefragt: „Normale Fahrt?“ Die Leitstelle habe geantwortet: „Ja.“ Der stehende Zug hatte offenbar die gleiche Anweisung erhalten – jedoch mit technischen Problemen zu kämpfen. Darauf habe die Leitstelle geantwortet: „Na gut, dann sobald es geht. Und falls es Probleme gibt, rufen Sie uns an.“

Die Karte zeigt schwere Zugunglücke in Spanien seit 2013 mit der Zahl der Todesopfer. Das schwerste Unglück ereignete sich im Juli 2013 bei Santiago de Compostela mit 80 Todesopfern. Weitere große Unglücke sind für Oktober 2026 und Januar 2026 verzeichnet. Quelle: APA.

Der Renfe-Zug war zu diesem Zeitpunkt wieder unterwegs, berichtet etwa „El País“. Weiteren Funkkontakt zwischen dessen Lokführer und der Leitstelle hat es den Berichten zufolge nicht mehr gegeben, selbst über den liegengebliebenen Iryo-Zug sei nicht informiert worden. Nach etwa fünf Minuten kam es zum tödlichen Unfall.

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