68 Tote, 100 Verletzte

Bericht: Lokführer in Spanien griff vergeblich ein

Ausland
28.10.2026 21:57
Porträt von krone.at
Von krone.at

Nach dem Zusammenstoß zweier Hochgeschwindigkeitszüge in Spanien am Mittwoch läuft die Ursachensuche. Es dürfte sich wohl um eine Kombination aus menschlichem Versagen und technischem Defekt handeln. Mindestens 68 Menschen kamen bei dem Unglück ums Leben, etwa 100 weitere wurden verletzt.

Wie berichtet, ereignete sich der Unfall am Mittwochmorgen gegen 9 Uhr in der spanischen Provinz Toledo. Kurz zuvor, gegen 8.30 Uhr, sei das automatische Zugkontrollsystem LZB ausgefallen, sagte Verkehrsminister Óscar Puente. Grund dafür seien Kommunikationsprobleme bei drei Computern gewesen. Das Sicherheitssystem stand deshalb auf einem 63 Kilometer langen Streckenabschnitt nicht mehr zur Verfügung. Alle Züge in diesem Bereich seien automatisch gestoppt worden, sagte Puente.

Die Verkehrsleitzentrale des Bahninfrastrukturbetreibers Adif in Madrid übernahm die Steuerung. Genau an dieser Stelle könnte der verheerende Fehler laut ersten Ermittlungen passiert sein. Ein Fahrdienstleiter soll dem Renfe-Zug die Weiterfahrt erlaubt haben, obwohl ein rotes Signal das deutlich untersagte. Ein Lokführer habe den Mann noch korrigiert, nachdem mehrere fehlerhafte Anweisungen erteilt worden sein, berichtete die Zeitung El País. Laut dem Verkehrsminister befahl die Leitstelle gar allen Zügen, wieder mit Normalgeschwindigkeit zu fahren. Der Lokführer habe dann erwidert, es müsse „Sichtgeschwindigkeit“ gelten, was eine Höchstgeschwindigkeit von 40 Kilometern pro Stunde ist.

Ein Teil der Waggons stürzte einen Hang hinunter.
Ein Teil der Waggons stürzte einen Hang hinunter.(Bild: AP/Manu Fernandez)
Einsatzkräfte am Mittwochabend
Einsatzkräfte am Mittwochabend(Bild: AFP/OSCAR DEL POZO)
Überlebende des Zugunglücks
Überlebende des Zugunglücks(Bild: AP/Andrea Comas)

Zu schnell unterwegs?
Der Zug legte nach der Aufforderung der Leitstelle rund 25 Kilometer zurück, zeitweise mit etwa 200 Kilometern pro Stunde. Danach stieß er laut Puente mit dem immer noch stehenden Iryo-Zug zusammen. „Wir werden der Sache auf den Grund gehen, und sollte Fahrlässigkeit vorgelegen haben, wird sie ans Licht kommen“, zitierte die Zeitung den Verkehrsminister. Der Mitarbeiter, der zum Unfallzeitpunkt den Verkehr regelte, wird noch befragt. Drei Ermittler reisten zudem zum Unfallort.

Die Regionalregierung von Kastilien-La Mancha bestätigte am Mittwochabend 68 Tote und etwa 100 Verletzte. 58 Verletzte, darunter 15 Schwerverletzte, seien in Krankenhäuser gebracht worden, teilte die Rettung mit. Leichtverletzte seien in anderen Einrichtungen medizinisch versorgt worden. An Bord der beiden Züge waren etwa 550 Fahrgäste. Durch die Wucht des Aufpralls entgleisten mehrere Waggons und stürzten den Bahndamm herunter. Trümmerteile und verbogenes Metall lagen am Mittwoch auf einer Böschung verstreut, Teile eines Zugs standen noch auf den Gleisen.

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