Schräger Trend im Netz

Chinesen ziehen jetzt Ziegel statt Haustieren groß

Viral
29.10.2026 12:33
Porträt von krone.at
Von krone.at

Wer sich ein Haustier anschafft, übernimmt Verantwortung. Doch junge Erwachsene in China entdecken gerade eine ungewöhnliche Alternative, die kaum Geld kostet und fast keine Arbeit macht. Sie ziehen Ziegelsteine groß – und finden darin offenbar genau das, was ihnen im stressigen Alltag fehlt.

„Keine Katzen, keine Dates – ich habe angefangen, einen Ziegelstein großzuziehen“, schrieb etwa ein Nutzer auf der chinesischen Social-Media-Plattform Xiaohongshu. Was zunächst wie ein Scherz klingt, hat sich zu einem echten Trend entwickelt. Auf der chinesischen Plattform Weibo wurde ein entsprechendes Schlagwort bereits millionenfach aufgerufen.

Ein Ziegelstein als Gefährte
Die Pflege ist denkbar einfach. Der Ziegel wird mehrmals täglich mit Wasser besprüht. Mit der Zeit können sich bereits vorhandene Moossporen oder welche aus der Luft auf seiner Oberfläche ansiedeln und dort wachsen. Anders als Hunde oder Katzen müssen die steinernen Gefährten weder gefüttert noch ausgeführt werden. Bei Wassermangel kann das Moos in einen Ruhezustand übergehen und nach erneutem Befeuchten weiterwachsen.

Gesellschaft ohne Verpflichtungen
Hinter dem kuriosen Hobby steckt offenbar mehr als die Freude an einer begrünten Oberfläche. Chinesische Kommentatoren sehen darin einen Versuch junger Menschen, ihrem Alltag einen Sinn zu geben, ohne sich zusätzliche Verpflichtungen aufzubürden. Ein Anhänger beschrieb das Hobby als Erfolgserlebnis, ähnlich dem Abschluss eines langfristigen Projekts.

Auf der Plattform Xiaohongshu erklärte ein Nutzer weiter, sein Ziegel sei ein angenehmer Gegenpol zum Leistungsdruck. Es gebe keine Ergebnisse, die geliefert werden müssten, keine Kennzahlen, die erreicht werden sollten, und keinen Grund, das Wachstum mit anderen zu vergleichen.

Der Trend passt zu einer Haltung, die in China unter dem Begriff „Lying flat“ – übersetzt etwa „flachliegen“ – bekannt ist. Gemeint ist der bewusste Rückzug aus dem gesellschaftlichen Wettlauf, um mit weniger Stress und Leistungsdruck zu leben. Auch der Wunsch nach Kindern, lange Arbeitszeiten und der Konkurrenzdruck im Berufsleben werden zunehmend infrage gestellt.

Experten warnen vor Schimmel
Ganz ohne Risiken ist das ungewöhnliche Hobby allerdings nicht. Chinesische Medien warnen, dass sich durch die Feuchtigkeit Schimmel bilden kann. Einige Menschen sollen bereits über juckende Augen und eine laufende Nase geklagt haben.

Der pensionierte Moosforscher Xuedong Li von der Pädagogischen Universität der Hauptstadt Peking riet etwa dazu, die Ziegel in einer geschlossenen Umgebung aufzubewahren. Beim Umgang damit sollten Einweghandschuhe und eine Maske getragen werden, um den Kontakt mit Sporen und deren Einatmen zu reduzieren.

Ob sich der Trend dauerhaft hält, bleibt offen. Für manche Anhänger scheint der Ziegel jedenfalls eine einfache Möglichkeit zu sein, etwas Grün und ein Gefühl von Verbundenheit in den Alltag zu bringen – ohne die Verpflichtungen, die ein klassisches Haustier mit sich bringt.

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