Jahrelang sorgte Jan Böhmermann mit seiner Satire für Aufsehen, gute Quote, Auszeichnungen und Diskussionen. Doch zuletzt scheint sich für ZDF-Intendant Norbert Himmler etwas verändert zu haben. Der Senderchef findet deutliche Worte für die Entwicklung des „ZDF Magazin Royale“ – und kritisiert einen konkreten Fall, bei dem für ihn eine Grenze überschritten wurde.
„Er hat grandiose Sendungen geliefert, die mit dem Grimme- und dem Fernsehpreis dekoriert wurden“, sagte Himmler der Wochenzeitung „Die Zeit“. Doch die Qualität habe nachgelassen. „Das hat sich jetzt abgeschliffen und ist vielleicht am Ende zu fanatisch geworden“, urteilte der ZDF-Intendant über die Sendung des Satirikers.
Streit um sächsischen Imker
Besonders kritisch sieht Himmler den Umgang der Sendung mit einzelnen Personen. „Sich auf einen Bienenzüchter zu stürzen, ihn quasi zum Hauptgegenstand einer Sendung zu machen – das halte ich für unverhältnismäßig“, sagte der Senderchef.
Hintergrund ist ein Beitrag aus dem Jahr 2023. Darin hatte Böhmermann einem sächsischen Imker sogenanntes „Beewashing“ vorgeworfen. Gemeint ist damit, dass Bienenpatenschaften als vermeintlicher Beitrag zum Umweltschutz vermarktet werden. Der Imker reagierte, indem er satirisch mit Böhmermanns Namen und Bild für seinen Honig warb. Ein anschließender Rechtsstreit ging zugunsten des Imkers aus.
Himmler betonte, Satire solle sich mit Menschen beschäftigen, die Verantwortung tragen, oder Missstände aufdecken. Eine Grenze sieht er allerdings dort, wo die Fairness verloren geht. „Es darf aber nicht unfair sein“, stellte der ZDF-Intendant klar.
Böhmermann zieht selbst den Schlussstrich
Am 18. Dezember soll das „ZDF Magazin Royale“ nach mehr als sechs Jahren zum letzten Mal ausgestrahlt werden. Bereits im September hatte Böhmermann erklärt, dass das Ende der Sendung auf seine eigene Entscheidung zurückgehe.
Himmler bestätigte diese Darstellung im Gespräch mit der „Zeit“. Seit Jahren habe der Sender intensiv mit dem Satiriker über die Weiterentwicklung des Formats und dessen Rolle diskutiert. „Er hat den Schlussstrich aus Eigeninitiative gezogen“, sagte der Intendant. Böhmermann wolle sich neu erfinden.
Dass die Sendung in den vergangenen Jahren einiges ausgelöst hat, sei sowohl dem Satiriker als auch dem Sender bewusst gewesen – „im Guten wie im Schlechten“, wie Himmler formulierte.
Tränen beim Abschied?
Zuletzt hatte Böhmermann in seinem Podcast „Fest & Flauschig“ erzählt, dass Himmler auf die Nachricht vom Ende der Sendung mit Tränen in den Augen reagiert habe. Was hinter der emotionalen Reaktion steckte, ließ der ZDF-Chef nun offen – zumindest teilweise.
„Ja, ich stelle mir heute noch die Frage, ob das Erleichterungs- und Freudentränen waren – oder Tränen der Trauer“, sagte Himmler. Eine Antwort darauf blieb er damit schuldig.
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