Mit 50 Kilogramm Ausrüstung und fast ohne Sicht säubern Taucher die Schleuse am Kraftwerk Freudenau. Die „Krone“ war beim Einsatz mit dabei.
Die linke Schleusenkammer des Kraftwerks Freudenau geht in Revision. Damit dort im Trockenen gearbeitet werden kann, reinigen zuerst Taucher der Firma Lestin den Boden vor den Toren – mit dabei ist auch Österreichs einzige aktive Kraftwerkstaucherin Regina Karrer.
„Ich komme aus dem Handwerk. Vor zwölf Jahren habe ich in Thailand das Sporttauchen gelernt. Genau die Kombination aus Handwerk und Tauchen gefällt mir an dem Beruf“, erzählt die 43-Jährige. Warum so wenig Frauen der Arbeit nachgehen, begründet sie mit den schweren Arbeitsbedingungen: „Es ist wie am Bau. Im Winter ist man oft 14 Stunden draußen.“
Wer Industrietaucher werden will, braucht eine abgeschlossene handwerkliche Lehre und Erfahrung aus 50 bis 100 Sporttauchgängen. Danach folgt eine rund achtwöchige Ausbildung. „Das heißt aber noch nicht, dass man es kann. Man lernt nur die Grundprinzipien“, betont Karrers Kollege Gerhard Frank im Gespräch mit der „Krone“.
Tauchen im Kraftwerk ist ein Knochenjob
Für die Revision wechseln sich Karrer und Frank mit Einsatzleiter Thomas Vondal ab. Frank entfernt zunächst in 13 Metern Tiefe mit einer Wasserspritze und von Hand Sand, Geröll und Holz vom Grund der Donau. Ein Kran hebt ihn dafür ins Wasser. Am Schleusengrund hantelt er sich dann mithilfe eines Magneten an einer Metallschiene entlang. Seine Ausrüstung wiegt dabei rund 50 Kilogramm. Außerdem arbeitet der Taucher fast blind.
„An manchen Tagen ist die Sicht klar, meistens sieht man aber kaum 30 Zentimeter weit. Dann muss man sich tastend orientieren“, erklärt Berufstaucherin Karrer. Vorab wurde bereits ein Tauchroboter hinuntergelassen, der den Boden inspizierte. Dieser hat zehn Zentimeter Schlamm gemessen.
Während Frank taucht, kommuniziert er über Funk ständig mit seinem Einsatzleiter. Eine Helmkamera überträgt die Bilder an die Oberfläche. Karrer unterstützt gleichzeitig an der Leine und steht für Notfälle bereit.
Ein Tauchgang dauert circa eine Stunde, dann wird gewechselt. Bei Inspektionen können es aber auch mal drei bis vier Stunden sein. „Dann wird es schon kalt“, sagt Frank. Unter seinem Trockentauchanzug trägt der 49-Jährige Skiunterwäsche.
Niedrigwasser erleichtert die Arbeit
Durch das aktuelle Niedrigwasser wird weniger Dreck angeschwemmt. Das macht die Wartung leichter. Bei Hochwasser ist das genau umgekehrt: „Da waren auch Bierfässer mit dabei“, erzählt das Team. „Eine Leiche haben wir aber noch nicht gefunden. Nur einen Tresor. Da war aber leider nichts drin“, witzelt Karrer.
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