Mit brisanten Attesten
Lehrerin fast 17 Jahre krankgeschrieben: Angeklagt
Eine deutsche Lehrerin soll fast 17 Jahre lang keinen Unterricht mehr gehalten und dennoch ihr Gehalt weiterbezogen haben. Nun wird der Fall für die 62-Jährige ernst: Die Staatsanwaltschaft wirft ihr schweren Betrug und Urkundenfälschung vor. Es geht um mehr als 248.000 Euro - und um zwei Bescheinigungen, die besonders brisant sind.
Seit 2009 soll die Lehrerin eines Berufskollegs in Wesel in Nordrhein-Westfalen nicht mehr regulär unterrichtet haben. Immer wieder legte sie Krankmeldungen vor, während sie weiterhin ihre Bezüge erhielt. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft Duisburg Anklage gegen die Frau erhoben. Ob es zu einem Prozess kommt, muss das Landgericht Duisburg entscheiden.
Mehr als 248.000 Euro im Visier der Ermittler
Konkret geht es um den Zeitraum von März 2021 bis März 2025. In diesen vier Jahren soll die Pädagogin zehn Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen eingereicht haben, obwohl sie nach Ansicht der Ermittler wusste, dass sie ihren Dienst hätte ausüben können. Dadurch habe das Land Nordrhein-Westfalen als ihr Dienstherr angenommen, dass sie krankheitsbedingt nicht arbeitsfähig sei.
Die Frau soll auf diese Weise mehr als 248.000 Euro an Bezügen erhalten haben, auf die sie laut Staatsanwaltschaft keinen Anspruch gehabt hätte. Auch im September 2025 soll sie im Rahmen eines Disziplinarverfahrens über ihren Anwalt weitere Krankmeldungen vorgelegt haben.
Brisanter Verdacht um gefälschte Atteste
Zusätzlich wird der 62-Jährigen Urkundenfälschung in zwei Fällen vorgeworfen. Sie soll als aktive Tauchsportlerin zwei Tauchtauglichkeitsbescheinigungen selbst erstellt haben. Diese sollen angeblich von einer Ärztin ausgestellt worden sein, die nach Angaben der Ermittler gar nicht existierte.
Die Ermittler gingen auch Hinweisen nach, wonach die Lehrerin während ihrer Krankschreibung einer anderen beruflichen Tätigkeit nachgegangen sein könnte. Konkrete Anhaltspunkte dafür hätten sich laut Staatsanwaltschaft jedoch nicht bestätigt. Die Beschuldigte hat sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Fall wurde erst spät geprüft
Ins Rollen gekommen war der Fall, nachdem die zuständige Bezirksregierung die Personalakte der Lehrerin erneut geprüft hatte. Im März 2026 durchsuchten Ermittler ihre Wohnung. Die strafrechtlichen Vorwürfe betreffen nur den Zeitraum von 2021 bis 2025, da mögliche frühere Taten bereits verjährt sein könnten.
Der Fall hatte bereits zuvor für Aufsehen gesorgt, weil die Lehrerin über Jahre nicht mehr unterrichtet hatte, ohne dass rechtzeitig eine amtsärztliche Untersuchung veranlasst worden war. Auch gegen einen Mitarbeiter der zuständigen Bezirksregierung wurden deshalb disziplinarrechtliche Schritte eingeleitet. Die Lehrerin selbst wehrt sich zudem gerichtlich gegen ihre Versetzung in den Ruhestand.

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