Mega-Gehalt

Raten Sie, was ein Kläranlagen-Taucher verdient

Wien
21.09.2026 16:00

Seit über 20 Jahren taucht Gregor Ulrich beruflich in Abwasserbecken – bei absoluter Finsternis und 37 Grad Wassertemperatur. Seine Firma Umwelt-Tauchservice mit Sitz in Wien ist die einzige ihrer Art in ganz Österreich. Dafür gibt es gutes Geld.

„Krone“: Wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen?
Gregor Ulrich:  Eigentlich habe ich Gesang und Konservatorium studiert. Und mit 26 habe ich gesagt, ich will mit Musik und Zauberei keine Familie ernähren. Und da mein Vater schon Berufstaucher war und die Firma gegründet hat, lag der Weg für mich auf der Hand. Ich bin nach Schottland gegangen, um dort meine internationale Ausbildung zu machen. Danach war es klar, dass ich in den Familienbetrieb einsteige. Heute tauche ich seltener. Ich kümmere mich hauptsächlich um die Organisation der Einsätze.

Was macht die Arbeit des Klärwerkstauchers aus?
Meine Jungs und ich sind Berufstaucher. Jeder glaubt immer, Berufstaucher tauchen nach Leichen oder sind Tauchlehrer. In Wahrheit sind Berufstaucher Maurer unter Wasser, Schweißer unter Wasser, Dreher unter Wasser. Berufstaucher sind immer dort, wo Wasser und Beton aufeinandertreffen. Klärwerkstaucher tauchen in kontaminiertem Gewässer bei bis zu 37 Grad und ohne Sicht. Wir schweißen nur mit Hand und Gefühl.

Gregor Ulreich bei einem Tauchgang im Faulturm
Gregor Ulreich bei einem Tauchgang im Faulturm(Bild: Gregor Ulrich)

Wie riecht es in einem Klärwerk?
Kläranlagen stinken nicht. Das ist ein Mythos. Wo wir tauchen, gibt es keinen Fäkalgeruch. Es riecht am ehesten nach nasser Erde, modrig, nach Wald im Herbst. Das, was in die Kläranlage kommt, wurde ja schon mehrfach gefiltert. Es ist im Endeffekt nichts anderes als unglaublich teure Düngeerde.

Wie läuft so ein Tauchgang ab? 
Wir tauchen ab mit ganz normalen Bleischuhen und wir stehen. Also, wir arbeiten im Stehen und im Krabbeln. Wir haben keine Flossen, mit denen wir herumschwimmen. Wir schlagen uns Stiegen in den Schlamm und das ist am nächsten Tag auch noch da, weil das richtig harter Sand ist. Wichtig ist, dass wir uns langsam bewegen. Nie schnell, immer überlegt und stetig.  Die Hitze spürt man sehr beim Tauchen, weil der Anzug aus Latex ist und Temperatur nicht isoliert.

Welche Konsistenz hat das Wasser?
Das Schwarzwasser, wie wir es nennen, ist schwarzes Wasser. Man merkt als Taucher keinen Unterschied. Erst, wenn man abtaucht und den Schlamm wahrnimmt, dann gibt es unterschiedliche Viskosität. Angefangen mit Honig, man spürt dann einen riesengroßen Widerstand, bis hin zu Torf, wo man wirklich am Torf steht und sich mit den Schuhen Stiegen reinschlagen kann.

Wie lange dauert ein Tauchgang?
So ein durchschnittlicher Tauchgang dauert circa 60 Minuten inklusive Dekompressionszeit. Das ist die Zeit, die der Körper braucht, um den eingeatmeten Stickstoff wieder auszuarbeiten.

(Bild: Gregor Ulrich)

Was sind die größten Herausforderungen im Beruf?
Für uns als Firma ist das Herausforderndste der Nachwuchs. Ich bin noch immer der jüngste Taucher. Für die Taucher ist es wahrscheinlich die Work-Life-Balance. Man ist viel unterwegs und nicht bei Familie und Kindern. Wenn meine Jungs Montag und Dienstag arbeiten, haben sie schon 20 Stunden drin. Ich fahre im Jahr zwischen 40.000 bis 60.000 Kilometer mit dem Auto, weil ich jede Kläranlage vorher besuchen muss. Es ist wichtig für die Klärwelt, dass man eine persönliche Bildung hat, dass man sich das vor Ort anschaut.

Wo haben Sie Ihre Einsätze?
Den Großteil unserer Einsätze haben wir in Deutschland. Alleine Bayern hat mehr Faultürme und Kläranlagen als ganz Österreich. In der Kläranlage in Simmering gibt es erst seit 6 Jahren Faultürme. Bis man dort eine Revision machen müsste, dauert es. Aber mit den ganzen Schlagregenereignissen werden wir immer häufiger gebraucht. Die Kläranlagen sind darauf ausgerichtet, dass sie regelmäßig mit Wasser befüllt werden und nicht, dass sie dann einmal alle sechs, sieben Wochen, in drei Tagen eine riesige Wassermengen bekommen.

Was ist das Schönste an dem Beruf?
Du arbeitest da, wo es warm ist. Auch im Winter. Du bist immer in der frischen Luft, was vor allem bis November unglaublich schön ist. Du siehst die Natur um dich herum. Und man kann auch ohne ein akademisches Studium richtig viel Geld verdienen. Wenn jemand viel taucht, kommt er sicher auf 120.000 Euro im Jahr. 

Was ist Ihnen noch wichtig zu betonen?
Immer wenn es im Sommer einen tödlichen Unfall mit Sporttauchern gibt, werden wir damit verglichen. Im Endeffekt ist das nichts anderes, als einen Fassadenkletterer jemandem zu vergleichen, der barfuß auf den Großglocken herausgeht. Das sind zwei grundsätzlich unterschiedliche Sachen. Ich würde mich auch als schlechten Sporttaucher definieren, weil ich einfach nicht konditioniert dafür bin.

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