„Historisch gesehen hatte Frankreich das beste Essen, Italien die beste Mode und Deutschland die beste Technik. Aber was wir hatten, war ein eigener Stil des Benehmens. Und der war wohl unser wichtigster Export“, ist William Hanson vom Institut „The English Manner“ überzeugt. Das Schlangestehen haben die Briten zu einer wahren Kunstform erhoben. Please, Thank you und Sorry werden fast schon inflationär verwendet – selbst wenn jemand angerempelt wird, entschuldigt er sich. Eben die feine englische Art als Maßstab der Höflichkeit
Doch der Exportschlager scheint in der Krise zu stecken: Sogar die Briten müssen zum Benimmkurs – zumindest in den öffentlichen Verkehrsmitteln. Premierminister Andy Burnham startete eine Kampagne gegen die Zwangsbeglückung anderer Passagiere mit lauter Musik, Videoanrufen oder dem süßlichen Geruch von Vape-Zigarette.
Dass viele Menschen in freier Wildbahn nicht unbedingt rücksichtsvoll agieren, kennt man ja auch bei uns. Aber wohin soll es denn führen, wenn sogar Staatsmänner auf gutes Benehmen pfeifen? Oder gehässige Schimpftiraden in den sozialen Medien mehr Beifall ernten als ein gepflegter Diskurs? Da käme eigentlich ein (zumindest gedanklicher) „Benimmkurs“ gerade recht. Ganz im Sinne des Meisters der Höflichkeit, Adolph Freiherr von Knigge. Dem ging es einst nicht bloß um Anstandsregeln, sondern um den respektvollen Umgang miteinander - als unerlässlichen Kitt der Gesellschaft.
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