Mit dem Doku-Drama „Austroschwarz“ beleuchtete der Salzburger Musiker Mwita Mataro das nicht immer friktionsfreie Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen in Österreich. Auf seinem Solodebüt „Austrodrama“ zieht er die Thematik nun konzeptionell musikalisch weiter. Im „Krone“-Gespräch erzählt er, wie man als nicht weißer Österreicher in Österreich lebt.
In seinem Doku-Filmdrama „Austroschwarz“ hat sich der Salzburger Mwita Mataro gemeinsam mit Co-Regisseur Helmut Karner mit dem Thema Rassismus in Österreich beschäftigt. Dieses Projekt diente schlussendlich als Unterlage dafür, diese Gedankengänge auch musikalisch weiterzuführen. „Nach dem Film habe ich mir überlegt, wie es wäre, wenn man sich die heimische Popmusik als nicht weißer Österreicher aneignen würde. Es wird so viel über kulturelle Aneignung gesprochen, aber wie ist es, wenn das ein Österreicher mit sichtbarem Migrationshintergrund macht?“ Mataro kennen heimische Musik-Connaisseure von der großartigen Indie-Band At Pavillon, die trotz famoser Alben nie über den Insider-Status hinausgekommen sind. Zweifellos eine der größeren Ungerechtigkeiten der modernen heimischen Musikhistorie. Mataro ließ sich davon aber nicht entmutigen und erforscht unermüdlich, wie man Österreich wahrnehmen und deuten kann und soll. Seine musikalischen Fragen sind auch immer sozialkritische – beide Welten gehen Hand in Hand.
Vielfalt des Landes abbilden
„Für mich ist es spannend zu erforschen, wie meine Form von Austropop wahrgenommen wird, da ich mitunter ja auch mit Alltagsrassismus konfrontiert bin. Österreich ist unheimlich divers und bunt, aber das wird im Fernsehen und in der Popkultur viel zu wenig abgebildet. Wenn einmal ein ,jedermann‘ in einer Sendung von einem österreichischen Migranten gespielt werden würde, dann wären wir schon viel weiter.“ Dass der Albumtitel „Austrodrama“ und seine Inszenierung vor der österreichischen Nationalfahne plakativ anmuten können, ist Mataro bewusst und auch so gewollt. „Ich will ja, dass die Diversität in diesem Land stärker abgebildet wird und möchte darauf aufmerksam machen. Österreicher mit chinesischen, arabischen oder tansanischen Wurzeln werden auch kaum in Nachrichten- oder Diskussionssendungen eingeladen. ,Willkommen Österreich‘ mit Stermann und Grissemann wird auch nicht mehr ewig laufen – wer folgt ihnen nach? Wird man da mutiger sein? Irgendwo muss man ja anfangen, die Vielfalt des Landes zu zeigen.“
Mataro will die brisanten Themen nicht verschweigen, sondern bewusst zentral positionieren. Deshalb auch der Wortteil „Drama“ im Albumtitel. „Was bedeutet das, wenn ein Österreicher, der nicht wie ein Österreicher aussieht, sich vor eine Österreichflagge stellt? Mir geht es da um das Gefühl, dass in den Menschen erweckt wird.“ Was bedeutet dem Künstler Österreich eigentlich? „Es ist das Land, in dem ich geboren und aufgewachsen bin. Dessen Sprache ich spreche und wo ich daheim bin. Österreich ist kulturell und historisch gesehen extrem spannend, aber sehr viele Leute gehen unreflektiert mit jenen Menschen um, die nicht klassisch österreichisch aussehen. Andererseits habe ich hier unglaublich viel Liebe erlebt und erfahren. Du siehst – die Frage ist nicht einfach zu beantworten.“ Diese Ambivalenzen, Fragezeichen und Unsicherheiten ziehen sich auch durch das Album, das sich mit der visuellen Aufmachung und den Musikvideos als großes Gesamtkonzept versteht. Das Werk funktioniert nach dem Prinzip „Hallo Welt“ – eine Art musikalische Vorstellung einer Person mit ihren Erlebnissen, Erfahrungen und Geschichten.
Es geht um das Miteinander
Im Gegensatz zu seiner Zeit bei At Pavillon hat Mataro auf seinem Solowerk alle Texte auf Deutsch geschrieben – eine erweiterte Liebeserklärung an seine Heimat. Dass Patriotismus hierzulande anders aufgefasst wird als etwa in den USA, ist geschichtlich bedingt. Deshalb hat er die an Bruce Springsteens „Born In The U.S.A.“ erinnernde Inszenierung bewusst gewählt. „Ich gebe zu, dass es manchmal schaudert, wenn eine Österreichfahne prominent bei Wirtshäusern zu sehen ist, aber ich will die Flagge positiv konnotiert wissen. Ich liebe Österreich und bin hier zu Hause, also repräsentiere ich das Land auch gerne.“ Schon Springsteen wurde für sein Artwork in den 80er-Jahren missverstanden. „Es geht immer um den Kontext. Mit meinem Background kann man so eine Inszenierung natürlich anders deuten. Am Ende des Tages geht es immer um ein Zusammenspiel, um das Miteinander. Das ist genau das, was ich mir mit dem Album erhoffe: Dass es die Menschen als etwas gemeinschaftlich Schönes sehen, ihr Interesse geweckt wird.“
Das titelgebende „Drama“ kommt aber auch aus dem persönlichen Bereich heraus. „Drama heißt ja nichts anders als Schauspiel oder Theater und diese Elemente sind ein wichtiger Teil meiner Liveshow. Es ist ein Album, das sehr bewusst von einem Österreicher für Österreich und Österreicher geschrieben ist – ich schiele da gar nicht auf den deutschen Markt.“ Die bereits veröffentlichte Single „Schwarz Hase“ ist durchaus ein Schlüsselsong auf dem Album – auch live wird dieses Bild eine große Rolle spielen. „Das Wort schwarz wird immer sehr negativ genannt. Das schwarze Schaf, der Schwarzfahrer, der Schwarzmarkt – ich wollte den Begriff umdrehen. Der schwarze Hase ist ein Rebell. Jemand, der nicht mit gängigen Meinungen mitschwimmt, sondern auf sich achtet und eine gewisse Coolness ausstrahlt.“ Mataro verwendet bewusst heimische Begriffe wie das Edelweiß, die Alm, den Dom oder den Strom aus der Hymne, um seine Botschaften zu verstärken. „Ich will einfach Dinge aus meinem Hintergrund beleuchten. Die Sichtbarkeit wird öffentlich auf zu wenige Bevölkerungsgruppen gelegt, aber das nimmt uns viel Verständnis füreinander.“
Plädoyer für ein Update
„Austrodrama“ überzeugt mit inhaltlicher Vielseitigkeit. „Magdalena“ ist eine gescheiterte Kaffeehaus-Romanze, in „Als wir Kinder waren“ geht Mataro weit zurück und rät auch den Hörern, sich mal fallen zu lassen und anstatt an die nächste Miete und die Bürokratie lieber an die Kindheit zu denken. Der „Hund an der Kette“ ist wiederum politisch zu verstehen. Zuweilen geht der 33-Jährige mit einer beneidenswerten Naivität an die Dinge heran. „Ich habe tatsächlich eine sehr naive Vorstellung von einem Miteinander. Wir Menschen sind doch alle Geschwister. Warum können wir nicht zusammenkommen und die Dinge in Frage stellen? Wenn das System nicht rund läuft, dann machen wir halt ein Update und versuchen ein neues System zu etablieren.“ Eine Polit-Kritik ist auch „Es begann alles mit Feuer“. „Damit spreche ich politische Reden an. Alle verstecken alles hinter Metaphern – redet doch Tacheles. Sagt uns klar, wie wir dran sind und hört auf, dauernd über irgendwelche Zahlen zu reden.“
Live im Wiener B72
Tacheles geredet wird in Form von „Austrodrama“ sicher bei der offiziellen Album-Release-Show am – kein Zufall - 26. Oktober, dem Nationalfeiertag, im Wiener B72. Dort wird Mataro nicht nur die Musik, sondern auch seine dafür konzipierte Show erstmals in größerem Rahmen präsentieren. Es gibt noch Karten für das Event.
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