Knapp eine Woche vor den Wahlen platzte eine Wahlkampfbombe, die die Leidenschaften hochgehen lässt wie kaum eine andere Frage: die Privilegien der Ultraorthodoxen (genannt Haredim), besonders wenn es um die Wehrpflicht geht. Israel ist im Krieg und die Soldaten sind knapp.
Jetzt hat die Armee ein Exempel statuiert. Sie fing am Flughafen Tel Aviv ein Flugzeug aus New York mit heimkehrenden jugendlichen Haredim ab. Draußen warteten zwei Autobusse: rechts die Fahrt zur Uniformausgabe, links die Fahrt ins Militärgefängnis.
Was folgte, war ein Aufschrei der Haredim. Ihre Parteien erpressen seit Jahren als begehrte Koalitionspartner teure Privilegien. Auch Netanyahu in seinem Wahlkampfstress hat die Verhaftungen scharf kritisiert und als gezielten Versuch (der Opposition) dargestellt, den freiwilligen Einberufungsprozess von Haredim zu sabotieren: „Ich respektiere die Tora sehr ...“
Die Haredim sind im wahrsten Sinne zu einer Glaubensfrage geworden. Bei der Staatsgründung waren sie eine Minderheit von drei bis vier Prozent, der man ihr Eigenleben zugestand. Heute sind sie dank ihres Geburtenreichtums 13 bis 15 Prozent. Ihr religiöses Oberhaupt argumentiert, dass die Talmudstudenten auch eine Armee sind: die „Armee Gottes“.
Auch das spaltet Israel. Beide Seiten behaupten, dass das Gesetz auf ihrer Seite steht. Dieser Streit geht nun in die nächste (Wahl-)Runde.
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