Die neue Landes-KI „VOKI“ macht aus Alt-Landeshauptmann Herbert Sausgruber (ÖVP) einen Freiheitlichen und verpasst der schwarzen Gesundheitslandesrätin ein SPÖ-Parteibuch. Doch die Pannen-Software sorgt nicht nur für Lacher, sondern auch für Unmut im Landhaus.
Die IT-Verantwortlichen des Landes Vorarlberg werden derzeit mit Spott und Häme überschüttet, denn die neuste Errungenschaft der digitalen Verwaltung – die Künstliche Intelligenz „VOKI“ – sorgt mit kuriosen Fehlern für Belustigung. So erfand das System kurzerhand neue politische Zugehörigkeiten: Alt-Landeshauptmann Herbert Sausgruber wurde überraschend zum Freiheitlichen erklärt, Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher (ebenfalls ÖVP) fand sich in den Reihen der Sozialdemokraten wieder.
Import aus Fernost
Bereits am Mittwoch übten die Neos scharfe Kritik an den IT-Projekten des Landes. Im Zentrum der Debatte standen neben den Pannen der „VOKI“ auch die Millionenausgaben für die neue Personalsoftware „V-Lohn“. Besondere Mängel offenbaren sich laut Klubchefin Claudia Gamon bei der technischen Basis der neuen Landes-KI. Das System greift auf das Sprachmodell „Qwen“ des chinesischen Konzerns Alibaba zurück. Während der Bund auf europäische Alternativen wie das französische Modell „Mistral“ setzt, wählte Vorarlberg den Import aus Fernost. „Das ist dekorative Digitalisierung: Man will sagen können, man hat eine KI“, meinte Gamon.
Beim Großprojekt „V-Lohn“, mit dem die knapp 30 Jahre alte Lohnsoftware für Land, Gemeinden und Krankenhäuser abgelöst werden soll, stehen Kosten von über 17 Millionen Euro im Raum. Gamon wirft der Landesregierung unvollständige Angaben und intransparente Berechnungen vor, da wesentliche Einstellungs-, Beratungs- und Gemeindekosten in den Ersparnisrechnungen ausgespart blieben. „Wir sind für Digitalisierung. Aber warum werden diese Projekte so oft schlecht umgesetzt und kosten so unverhältnismäßig viel?“
Viele Mitarbeiter weichen auf Open-AI aus
Doch wie sieht es mit dem Landes-KI-Tool in der Praxis aus? Ein Landhaus-Mitarbeiter stellt der Software ein vernichtendes Zeugnis aus: „Ich verwende sie nicht. Sie weiß nichts, sie kann nichts!“ Das Modell laufe zwar sicher isoliert auf landeseigenen Servern, um Datenabflüsse nach China zu verhindern, doch genau dies ist ein Problem: Die KI greift nicht auf das weltweite Netz zurück, sondern auf eigene Daten. Ein zweites Problem: Weil die Landes-KI noch nicht viel gelernt hat und im Alltag keinen Nutzen bringt, verwendet sie schlicht niemand. Stattdessen weichen viele Mitarbeiter auf leistungsfähige Werkzeuge wie ChatGPT, Gemini oder Claude aus – und damit könnten sensible Daten erst recht nach außen gelangen.
Das von Claudia Gamon angesprochene französische Modell „Mistral“, auf das andere Bundesländer und Behörden setzen, sei im Übrigen nicht besser als die im Ländle eingesetzte chinesische Variante. Beim österreichischen Zoll kenne die dortige KI nicht einmal die eigene Chefin. Das Fazit des Experten fällt daher nüchtern aus: „Wer die abgeschottete Landes-KI mit Open-AI-Tools vergleicht, vergleicht ein Dreirad mit einem Ferrari.“
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