Ein Foto von einer Schaufensterpuppe mit dem Gesicht von Ex-SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner im Schießkeller Kennelbach schlägt hohe Wellen. Was als harmloser Vereinsbericht im Gemeindeblatt begann, entwickelt sich nun zu einer politischen Diskussion um Sexismus. Kennelbachs Bürgermeister Christoph Vogelmann räumt Fehler ein.
Eigentlich ist das Kennelbacher Gemeindeblatt mit seiner Auflage von gerade einmal 800 Stück ein Druckwerk mit beschaulichen Berichten aus dem Vereinsleben. Doch mit der jüngsten Ausgabe haben sich die Blattmacher um Bürgermeister Christoph Vogelmann in ein politisches Minenfeld begeben.
Für Sprengstoff sorgte – wie berichtet – das abgedruckte Bild von einer Veranstaltung im April 2023 im Schießkeller Kennelbach, organisiert von der IGSK (Interessengemeinschaft Schießkeller Kennelbach der Exekutivbeamten). Dort saß im Rahmen des Schießwettbewerbs – Motto: „Ibiza – wie es wirklich war” – eine leicht bekleidete Puppe mit dem Gesicht von Ex-SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner auf dem Schoß des ehemaligen FPÖ-Chefs Heinz-Christian Strache.
Den Bericht und die Fotos haben wir nicht genau angeschaut und etwas blauäugig übernommen.
Bürgermeister Christoph Vogelmann
„Blauäugig übernommen“
Bürgermeister Christoph Vogelmann zeigte sich am Mittwoch zerknirscht über den Vorfall. Wie andere Vereine habe auch die IGSK die Möglichkeit genutzt, über ihre Aktivitäten zu berichten. „Den Bericht und die Fotos haben wir nicht genau angeschaut und etwas blauäugig übernommen. In Zukunft werden wir besser auf solche Dinge achten. Das wird nicht mehr vorkommen“, versprach der Gemeindechef im Gespräch mit der „Krone“. Auch werde er nochmals das Gespräch mit den Verantwortlichen des Vereins suchen.
Kritik am Ehrenschutz
Doch für die politisch Verantwortlichen im Land und die Vertreter der Frauenorganisationen ist die Sache damit keineswegs abgehakt – zumal gemäß der damaligen Ausschreibung Landesrat Christian Gantner den Ehrenschutz für das Event innehatte. Eva Hammerer forderte deshalb klare Worte vom Regierungsmitglied: „Sollte es tatsächlich stimmen, dass Landesrat Christian Gantner mit seinem Namen für eine derart geschmacklose Veranstaltung bürgt, frage ich mich schon, ob so etwas mit der Position als Landesrat vereinbar ist“, wetterte die Grünen-Chefin. Gantner solle umgehend dafür sorgen, dass sich die Veranstalter für diese Geschmacklosigkeit entschuldigen.
Das kann man nicht so stehen lassen, sondern muss aufgeklärt werden!
Landtagsabgeordnete und Frauenbeauftragte Manuela Auer (SPÖ)
SPÖ bringt Anfrage ein
Die SPÖ-Landtagsabgeordnete Manuela Auer stellte sogar eine Landtagsanfrage. In dieser will sie wissen, ob Gantner vor Ort war und ob öffentliche Gelder flossen. Sexistische Herabwürdigungen mit Waffen in der Hand seien absolut inakzeptabel. Erst Anfang der Woche sei im Rahmen der Vorstellung des Gleichberechtigungsberichtes vom Land auf die Problematik der veralteten Rollenbilder aufmerksam gemacht wurde. „Und nun kommen hier Bilder von einem Vereinsevent zutage, bei dem nicht nur eine Frau auf herabwürdigende Weise dargestellt wurde, sondern das Ganze womöglich noch im Wissen der Landesregierung passiert ist. Das kann man nicht so stehen lassen, sondern muss aufgeklärt werden!“
Auch Martina Rüscher und Julia Berchtold von der ÖVP-Frauenorganisation „Wir Frauen“ stellten sich demonstrativ an die Seite der betroffenen Ex-SPÖ-Chefin. Die Würde einer Frau dürfe niemals zur Zielscheibe vermeintlicher Unterhaltung werden, betonte Rüscher.
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