„Sie stehlen Zukunft“
Thunberg mischt sich bei Paris unter Demonstranten
Frankreich bleibt ein Pulverfass: Schülergewerkschaften haben eine neue Protestwelle verkündet. Rund 200 Oberschulen blieben nach Angaben der Regierung landesweit geschlossen. Unterstüzt werden die Demonstranten jetzt auch von der schwedischen Aktivistin Greta Thunberg ...
Frankreichs Schüler haben an einem neuen Protesttag am Dienstag viele Schulen landesweit blockiert. Für den Nachmittag sind zahlreiche Demos geplant. In Onlinediensten kursierte ein Aufruf zu einer nicht genehmigten Demonstration vor dem Amtssitz von Premier Sébastien Lecornu in Paris.
„Sie hören uns nicht zu, also holen wir sie ab“, kündigte eine Studierendengewerkschaft im Onlinedienst X an. Schüler- und Studierendenverbände fordern seit Tagen vergeblich ein Treffen mit Lecornu.
Jetzt mischt auch Thunberg mit
Sie verlangen unter anderem die Abschaffung des Verteilsystems für Studiengänge und Ausbildungen, das als komplex und intransparent gilt. Viele Schülerinnen und Schüler leiden unter dem Notendruck, der durch das System stark erhöht wird. Sie fordern außerdem zehn Milliarden Euro zur Renovierung und besseren Ausstattung der nicht verpflichtenden Oberschulen (Lycée) für 15- bis 18-Jährige.
„Die jungen Menschen werden nicht an den Diskussionen beteiligt. Man stiehlt uns unsere Zukunft, die Schulen bekommen nicht die nötigen Investitionen“, sagte die 23 Jahre alte schwedische Umweltaktivistin Thunberg vor einer Oberschule im Pariser Vorort Saint-Denis.
Die jungen Menschen in Frankreich machten deutlich, dass sie für ihre Zukunft kämpften, fügte sie hinzu. Dass die Politik verwundert auf die Protestwelle reagiere, zeige, dass sie „in einer anderen Welt leben“. Thunberg will am Nachmittag auch an der Demonstration in Paris teilnehmen.
Die Regierung setzt darauf, dass die Bewegung durch die in den kommenden beiden Wochen anstehenden Herbstferien ausgebremst wird. Manche Protestierende zeigen sich jedoch bereits entschlossen, nach Schulbeginn im November weiter zu demonstrieren. „Uns ist bewusst, dass die Regierung auf die Ferien hofft, aber wir lassen nicht locker“, sagte der 16 Jahre alte Enki Falqui aus Montpellier.
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, der sich bis dato kaum öffentlich zu den Protesten geäußert hatte, hatte am Montag an die Schülerinnen und Schüler appelliert, ihre Anliegen in Ruhe vorzutragen und dabei respektvoll zu sein. Ihre Forderungen seien Themen, „die Zeit und Beratungen erfordern“, sagte er.
Oberschüler blockieren seit dem 17. September landesweit den Zugang zu zahlreichen Schulen, um für bessere Lernbedingungen zu demonstrieren. Konkret fordern sie unter anderem mehr Lehrer, kleinere Klassen, kürzere Schultage und eine bessere Ausstattung der Schulen.
Wut, Gewalt, Zerstörung
Zugleich bricht sich eine allgemeine Wut angesichts von hohem Druck, Ungerechtigkeiten im Bildungssystem und fehlenden Perspektiven Bahn. Immer wieder nutzen junge Menschen – vor allem Männer – die Proteste, um Gewalt auf den Straßen auszuüben. Auf dem bisherigen Höhepunkt der Proteste am vergangenen Dienstag hatten sich bis zu 450.000 Menschen an Protestaktionen beteiligt.

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