Die Bahn boomt. Gewerkschafter nahmen das zum Anlass, um mit selbstbewussten Forderungen in die Herbstlohnrunde zu gehen. Das könnte sich auf andere Branchen auswirken.
Am Montag haben Gewerkschafter Gerhard Tauchner und Arbeitgebervertreter Thomas Scheiber die Verhandlungen darüber gestartet, was 55.000 Beschäftigte bald auf ihren Konten merken werden: den Kollektivvertrags-Abschluss der Eisenbahner. Sie eröffneten die Herbstlohnrunde anstelle der Metaller, die 2025 eine Einigung auf zwei Jahre verhandelt haben (siehe Grafik unten).
Die wichtigste Forderung der Arbeitnehmer: „Wir wollen die rollierende Inflation ausgeglichen haben. Alles andere bedeutet weniger Geld im Börserl“, sagt Verhandler Tauchner. Das würde mindestens 3,26 Prozent mehr Geld bedeuten. Außerdem fordert man längere Ruhezeiten und einen „Wettbewerbsausgleich für alle 98 Unternehmen“ – bei manchen beträgt die Regelarbeitszeit 38,5, bei manchen 40 Stunden.
Mit Überstunden und Resturlaub „am Anschlag“
Die Gewerkschaft argumentiert mit dem Schienen-Boom. „Wir brauchen unbedingt mehr Personal und dafür muss ich auch dementsprechend zahlen“, sagt Tauchner. Die Mitarbeiter seien mit fünf Millionen Überstunden und mehr als 400.000 Tagen Resturlaub „am Anschlag“. „Ein Abschluss unter der Inflation schwächt die Kaufkraft in ganz Österreich“, wird betont.
Der Fachverband der Schienenbahnen der WKÖ reagiert auf die Forderungen gelassen. „Wir erwarten eine sachlich und fachlich fundierte Diskussion“, stellt Chefverhandler Thomas Scheiber klar. Während der Personenverkehr ein Plus verzeichnet, sei der Güterverkehr ein „Sorgenkind“. „Dass die Arbeit spannend und sinnstiftend ist, dass Leistung wertgeschätzt wird – das zählt mehr als drei Prozent mehr Geld.“
Am 21. Oktober geht es weiter
Vergangenes Jahr hatten die Eisenbahner nach vier Gesprächsrunden mit einem Plus von 2,7 Prozent und damit leicht unter der Inflation abgeschlossen, wobei kleinere Gehälter um drei Prozent stiegen. Der nächste Verhandlungstermin findet am 21. Oktober statt, ab 1. Dezember soll der neue Kollektivvertrag gelten.
Am 22. Oktober beginnt dann auch das Feilschen um den Handelsarbeiter-KV, im November folgen Güterbeförderung und private Busbetriebe.
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