„Krone“-Kommentar

Trump erschwert die Herbstlohnrunde

Kolumnen
10.10.2026 15:00

Es war einmal ein schöner Plan. Regierung und Sozialpartner hofften, dass die Inflation 2026 auf zwei Prozent sinkt. Bundeskanzler Christian Stocker hatte dieses Ziel persönlich ausgegeben. Doch dann kam Donald Trumps Angriff auf den Iran. Seitdem sind die Energiekosten explodiert, die Inflation lag im September bei 3,6 Prozent!

Das erschwert die Herbstlohnrunde enorm, die heuer ohne die Metaller startet. Die haben sich 2025 auf einen zweijährigen „Krisenabschluss“ geeinigt – dieses Jahr gibt es 1,9 Prozent bei den Ist-Löhnen, bei 3,3 Prozent Teuerung. Also einen Reallohnverlust.

Doch es verhandeln noch andere: Handelsangestellte (500.000), Handelsarbeiter (150.000), Eisenbahner (55.000), Bus- und Lkw-Fahrer (10.000). Alle fordern zumindest die Abgeltung der Inflation. „Wer etwas leistet, muss anständig bezahlt werden“, sagt vida-Chef Roman Hebenstreit.

Die Arbeitgeber mauern. WKÖ-Handelsobmann Rainer Trefelik erwartet „schwierige Verhandlungen“, der Handel sei seit Corona in der Krise. Die Gewerkschaft kontert: Der Einzelhandel ist im Juli real um 2,3 Prozent gestiegen, bei Lebensmitteln um 4,1 Prozent.

Man kennt das Ritual. Nur: Die Teuerungskrise kommt großteils nicht aus Österreich, sondern aus Washington. Trump hat die Energiekosten und damit die Inflation in die Höhe getrieben. Schuld ist nicht die Wirtschaftskammer, nicht die Gewerkschaft – schuld ist ein amerikanischer Präsident.

Es droht ein heißer Herbst. Man kann sich bei Trump „bedanken“. Aber man sollte sich nicht wundern, wenn die Lohnrunde länger dauert – und härter wird als sonst.

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