Nachdem in den USA eine Hinrichtung grausam scheiterte und ernsthaft erwägt wird, eine weitere per Livestream zu übertragen, richtet Papst Leo XIV. deutliche Worte an seine Heimat. Anlässlich des Welttags gegen die Todesstrafe bezeichnete er diese als „unzulässig“.
Die Todesstrafe verletze die Unverletzlichkeit und Würde des Menschen, erklärte das Oberhaupt der katholischen Kirche am Samstag auf der Plattform X. „Das Gemeinwohl kann geschützt und den Anforderungen der Gerechtigkeit kann Genüge getan werden, ohne auf die Todesstrafe zurückzugreifen“, schrieb der Papst.
„Wirksame Haftsysteme“
Es seien wirksame Haftsysteme entwickelt worden, die die Bürger schützten und den Verurteilten zugleich die Möglichkeit zur Resozialisierung nicht vollständig nähmen. Seine Botschaft versah Leo XIV. mit dem Hashtag #NoDeathPenalty (siehe unten).
Die römisch-katholische Kirche stellt sich schon lange gegen die Todesstrafe, unter anderem ist die Ablehnung in dem federführend vom früheren Wiener Erzbischof Christoph Schönborn ausgearbeiteten Katechismus festgelegt.
Erstmals Papst aus Land mit Todesstrafe
Mit Leo XIV. hat die katholische Kirche aber erstmals ein Oberhaupt aus einem Staat, in dem die Todesstrafe nicht abgeschafft ist. Deshalb haben seine Worte besonderes politisches Gewicht. Sie erhöhen etwa auch den Druck auf Mitglieder der US-Regierung, die sich als gläubige Katholiken deklarieren, etwa Vizepräsident JD Vance oder Außenminister Marco Rubio.
In den USA wird seit der fehlgeschlagenen Hinrichtung der Todeskandidatin Christa Pike wieder intensiv über die Todesstrafe diskutiert. Die verurteilte Mörderin hatte am Mittwoch vergangener Woche in Nashville im US-Bundesstaat Tennessee zwei Injektionen mit dem normalerweise tödlichen Mittel Pentobarbital überlebt.
Trump und Vance jetzt auf Distanz
Für Aufsehen sorgte diese Woche auch die Ankündigung von US-Verteidigungsminister Pete Hegseth, die für Dezember geplante Hinrichtung des wegen eines Anschlags auf einem Armeestützpunkt zum Tode verurteilten Ex-Armeepsychiater Nidal Hassan per Livestream übertragen zu wollen. Nachdem Vance öffentlich auf Distanz zu dieser Entscheidung gegangen war, relativierte auch US-Präsident Donald Trump sie und meinte, bezüglich der Liveübertragung sei noch keine Entscheidung getroffen worden.
Heuer wurden in den Vereinigten Staaten bereits 30 Todesurteile vollstreckt. Im vergangenen Jahr waren insgesamt 47 Menschen hingerichtet worden – die höchste Zahl seit 2009. Auch wenn die Unterstützung für die Todesstrafe in den USA zurückgeht, sehen immer noch rund zwei Drittel der Befragten sie als gerechte Strafe für Mörder an. Etwa drei Viertel aller Länder weltweit haben die Todesstrafe per Gesetz oder in der Praxis abgeschafft.
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