„Wird entschieden“

Erschießung im Livestream? Trump lässt Pläne offen

Außenpolitik
10.10.2026 09:00
Porträt von krone.at
Von krone.at

Pentagon-Chef Pete Hegseth hat angekündigt, die Hinrichtung eines Amokläufers live übertragen zu wollen. Die Empörung darüber ist riesig, Foltervorwürfe werden laut. US-Präsident Donald Trump bemüht sich nun um Schadensbegrenzung – ohne konkret zu werden ...

Nach scharfer Kritik an der geplanten Liveübertragung einer Hinrichtung in den USA hat Trump die Ankündigung seines Kriegsministers relativiert. Eine Entscheidung über die Liveübertragung der Exekution des verurteilten Attentäters Nidal Hasan sei noch nicht getroffen worden, sagte Trump am Freitag im Weißen Haus in Washington auf Nachfrage.

„Sie machen einen Entschluss dazu, aber er wird getötet“, sagte Trump. „Es ist mir wirklich egal, wie er geht, solange er geht.“ Eine deutliche Absage klingt anders. Das Pentagon hatte das Vorhaben zuvor bestätigt.

Kritik aus beiden Parteien
US-Vizepräsident JD Vance hatte Zweifel an der von Hegseth angekündigten Live-Übertragung der Hinrichtung geäußert. Er wisse nicht, ob es tatsächlich dazu kommen werde, sagte er vor Journalisten in Lima im US-Bundesstaat Ohio. Man müsse abwarten, was im Dezember geschehe. Zugleich sagte der gläubige Katholik: „Wenn es per Livestream übertragen wird, werde ich es mir nicht ansehen.“

Vance betonte die Schwere der Verbrechen des zum Tode verurteilten Nidal Hasan. Dieser habe seiner Ansicht nach den schlimmsten Terroranschlag auf amerikanischem Boden seit den Anschlägen vom 11. September 2001 verübt. Unabhängig von der Kontroverse um die Hinrichtungsmethode dürfe nicht vergessen werden, dass Hasan viele unschuldige Menschen brutal ermordet habe.

Der Senator der Demokraten Chris Murphy zeigte sich in einem Interview des US-Senders CNN sichtlich geschockt, als er von Hegseths Ankündigung hörte: „Das ist widerlich. Was ahmt er nach? Hinrichtungen durch (die Terrormiliz Islamischer Staat) IS?“ Er verstehe zwar, dass es in den USA die Todesstrafe gebe – „aber öffentliche Hinrichtungen sind mittelalterlich“. Das sei einer der Vorgänge, den die USA an terroristischen Gruppen verabscheuten, kritisierte er.

Auch der republikanische Senator Thom Tillis verurteilte die Ankündigung: „Hasan sollte die Todesstrafe erhalten, aber seine Hinrichtung öffentlich zu machen und sie zu streamen? Jenseits von widerlich. Öffentliche Hinrichtungen sind das, was unterdrückerische Diktaturen wie Iran und Afghanistan tun. Das sollte in Amerika nicht passieren.“

Die Vereinten Nationen erklärten den geplanten Livestream zu einer Form der „Folter“. „Die Live-Übertragung einer Hinrichtung ist gleichbedeutend mit einer öffentlichen Hinrichtung und würde gegen das absolute Folterverbot verstoßen“, erklärte das Büro des UNO-Beauftragten für Menschenrechte, Volker Türk, am Freitag in einer Mitteilung an die Nachrichtenagentur AFP.

Die Infografik zeigt Länder mit Hinrichtungen weltweit im Jahr 2025. Die meisten Hinrichtungen finden in China statt, vermutlich Tausende. In Iran gab es mindestens 2.159, in Saudi-Arabien mindestens 356 und in den USA 47 Hinrichtungen. Weitere Länder mit bekannten oder nicht bekannten Zahlen sind Irak, Jemen, Ägypten, Südsudan, Somalia, VAE, Afghanistan, Nordkorea, Japan, Taiwan, Vietnam, Singapur und Kuwait. Quelle: Amnesty International.

Öffentliche Exekutionen sind nach Angaben von Menschenrechtsgruppen sonst aus Ländern wie dem Iran, Afghanistan oder Nordkorea bekannt.

Das Büro des UNO-Menschenrechtskommissars erklärte am Freitag unter Berufung auf die Anti-Folterkonvention der Vereinten Nationen, öffentliche Hinrichtungen stellten „eine Form von grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Bestrafung“ dar.

US-Präsident Donald Trump hatte das Erschießungskommando für Hasan erst zu Wochenbeginn gebilligt. Der Rechtspopulist ist ein Anhänger der Todesstrafe und hatte mehrfach ihre Ausweitung gefordert.

Breite Debatte über Hinrichtungen
In den USA wird seit der fehlgeschlagenen Hinrichtung der Todeskandidatin Christa Pike wieder intensiv über die Todesstrafe diskutiert. Die verurteilte Mörderin hatte am Mittwoch vergangener Woche in Nashville im US-Bundesstaat Tennessee zwei Injektionen mit dem normalerweise tödlichen Mittel Pentobarbital überlebt.

In diesem Jahr wurden in den Vereinigten Staaten bereits 30 Todesurteile vollstreckt. Im vergangenen Jahr waren insgesamt 47 Menschen hingerichtet worden – die höchste Zahl seit 2009.

Der Präsident der US-amerikanischen Bischofskonferenz, Paul Coakley, zeigte sich „schockiert und zutiefst betrübt“ über die Ankündigungen. Dem Nachrichtenportal „Vatican News“ sagte er, diese Entscheidung sei eine „barbarische Förderung einer Kultur des Todes“, die überdacht werden müsse. „Unser Gott ist ein Gott des Lebens.“ Er fügte hinzu: „Die öffentliche Hinrichtung selbst eines Menschen, der schweres Unrecht begangen hat, wird das moralische Gefüge unserer Nation nur noch weiter untergraben und das Gewissen ihrer Bevölkerung beflecken.“

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