Mit Gewalt kennt sich ein mehrfach einschlägig vorbestrafte Somalier aus, mit Schuld will er aber nichts zu tun haben: Der 28-Jährige stand am Freitag erneut vor Gericht. Diesmal, weil er in der Justizanstalt Feldkirch (Vorarlberg) einen Zellengenossen zusammenschlug und schwer verletzte.
„Ich schwöre auf meine Mutter und bei Gott!“ Mit diesem Schwur versucht der 28-jährige Somalier den Schöffensenat in Feldkirch von seiner Unschuld zu überzeugen. Nicht er, sondern sein Zellenkollege habe den Streit begonnen. Er selbst habe sich bloß verteidigt. Doch Richter Alexander Wehinger lässt sich davon nicht überzeugen: „Sie fahren die Schiene, dass Sie sich immer als Opfer ausgeben und alle sich gegen Sie verschworen hätten.“
Was sich Anfang Juli, um sechs Uhr morgens in einer Zelle der Justizanstalt Feldkirch abgespielt hat, gleicht einem Gewaltexzess. Ohne erkennbaren Anlass soll der 28-Jährige mit einer gläsernen, mit Zucker gefüllten Kaffeedose auf einen 31-jährigen Landsmann eingeschlagen haben. Die Wucht des Schlages zertrümmert dem Opfer mehrfach das Nasenbein. Doch damit nicht genug. Der Angreifer kniet sich auf den Verletzten, traktiert dessen Gesicht mit Faustschlägen und Kopfstößen und würgt ihn. Verzweifelt schreit der 31-Jährige um Hilfe.
Würgen ging weiter
Als Justizwachebeamte eintreffen und den Angreifer zum Aufhören auffordern, eskaliert die Situation weiter. Selbst die Androhung von Pfefferspray zeigt keine Wirkung. Statt loszulassen, würgt der Häftling sein Opfer noch heftiger und versucht den Zellengenossen sogar mit einer Gabel zu attackieren. Erst als die Beamten tatsächlich Pfefferspray einsetzen und schließlich mit vereinten Kräften eingreifen, lässt sich der Mann überwältigen.
Nicht der erste Gewaltexzess
Es ist nicht der erste Gewaltausbruch, für den sich der Somalier verantworten muss. Am Bahnhof Dornbirn hatte er einen Landsmann unvermittelt attackiert, als dieser gerade Zigaretten kaufen wollte. Das Opfer kam damals mit leichten Verletzungen davon. Für den Angeklagten ist weder Gewalt noch das Gericht Neuland. Fünf einschlägige Vorstrafen sprechen eine deutliche Sprache. Derzeit sitzt der Mann in der Justizanstalt Stein in Niederösterreich eine 18-monatige Haftstrafe ab. Für den Prozess wurde er eigens nach Feldkirch gebracht. Nun kommen fünfeinhalb Jahre Haft und 2000 Euro Schmerzensgeld hinzu. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Ob der 28-Jährige dagegen vorgeht, lässt er offen. Der Strafrahmen reicht von zwei bis 15 Jahren.
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