„Krone“-Kolumne

„Sie feiern die Mörder meiner Töchter“

Kolumnen
07.10.2026 06:45

„Wenn sie einen Raum betrat, ging die Sonne auf“, erzählt die deutsche Rechtsanwältin Sonja Bohl-Dencker über ihre Tochter Carolin. Sie war gerade als Touristin im Kibbuz Nir Oz, als Hamas-Terroristen in Israel einfielen und in einem beispiellosen Massaker mehr als 1200 Menschen töteten und 251 Geiseln nahmen.

Wenn sich die Anschläge des 7. Oktober heute zum dritten Mal jähren, ist es Bohl-Dencker wichtig, an ihre Tochter zu erinnern. An das Leid, das zu Beginn dieses schrecklichen Kriegs im Gazastreifen stand. Denn bei Zehntausenden Opfern und all der Zerstörung durch die israelische Armee gerät für viele aus dem Blick, dass es ein Krieg zwischen der Regierung Netanyahu und der Hamas ist, die das Blutvergießen in der eigenen Bevölkerung kaltblütig als Kollateralschaden in Kauf nimmt. Es ist kein Krieg, für den die Juden verantwortlich sind.

„Es macht mich wütend, wenn ich sehe, wie Menschen ihr Halbwissen über den Nahost-Konflikt auf Demos durch die Gegend schreien“, so Bohl-Dencker. Im Internet entdeckte sie Reaktionen auf den Tod ihrer Tochter wie „Erst ins Heilige Land fahren und dann heulen“. Worte, die von einer menschenverachtenden Täter-Opfer-Umkehr zeugen. „Es gibt viele, die die Mörder meiner Tochter bis heute feiern.“

Deswegen ist ihr die Erinnerung an das Massaker so wichtig. Denn wenn sich der Antisemitismus nicht mehr verstecken muss und sogar wieder salonfähig geworden ist, hat die Hamas ein Ziel erreicht.

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