Gastpatienten-Debatte

Mehr Medizin im Land: Doskozils Plan geht auf

Burgenland
03.10.2026 19:00

Politisch umstritten, aber erfolgversprechend: Seit Jahren holt das Burgenland immer mehr Medizin ins eigene Land. Mittlerweile werden 65 Prozent der Bevölkerung daheim behandelt.  Und der Zustrom wächst: Fast so viele Steirer kommen mittlerweile ins Burgenland wie Burgenländer in die Steiermark

Warum braucht das kleinste Bundesland eine eigene Herzchirurgie? Warum immer mehr Medizin im eigenen Land, während anderswo medizinische Leistungen gebündelt oder gar gestrichen werden?

 Die Antwort von Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) darauf ist seit Jahren dieselbe: „Ich muss mir oft die Frage gefallen lassen, warum eine Herzchirurgie? Es wird aber nie gefragt, warum Patienten neun Monate warten müssen.“ Rund 200 Millionen Euro steckt das Burgenland daher jährlich zusätzlich in seine Kliniken. Burgenländer sollen für immer mehr Behandlungen nicht mehr auf Wien oder Graz angewiesen sein. „So viel überregionale Planung wie nötig, so große regionale Spielräume wie möglich“, lautet Doskozils Credo. Diesen Kurs zieht das Land konsequent durch.

LH Hans Peter Doskozil mit zufriedenen „Gastpatienten“ aus Wien in Oberwart.
LH Hans Peter Doskozil mit zufriedenen „Gastpatienten“ aus Wien in Oberwart.(Bild: Büro Doskozil)

Herzoperationen und neurochirurgische Eingriffe sind heute in Oberwart möglich, auch Onkologie und Kardiologie wurden massiv erweitert. Güssing bietet Brustkrebsversorgung von der Abklärung bis zur Nachsorge und komplexe orthopädische Folgeoperationen. Kittsee setzt verstärkt auf künstliche Knie-, Hüft- und Sprunggelenke, Oberpullendorf baute die Kinderwunschmedizin bis zu Fertilitätsoperationen aus.

Ausgerechnet um die Herzchirurgie ist ein handfester Streit entbrannt. Gesundheitsministerium und ÖGK gingen gegen die Bewilligung vor, Ende September hob das Landesverwaltungsgericht den Bewilligungsbescheid auf. Das Land geht dagegen vor und lässt den Bedarf neu prüfen. Operiert wird vorerst weiter.

Wie stark Burgenländer bereits im eigenen Land versorgt werden, unterscheidet sich aber je nach Fachgebiet deutlich. In der interventionellen Kardiologie stieg der Anteil binnen eines Jahres von 58 auf 67 Prozent, bei Augenbehandlungen von 38 auf 50 und bei Krebsbehandlungen von 46 auf 50 Prozent. In der Gesamtbilanz ist der Fortschritt überschaubar: Das Plus beträgt gerade einmal einen Prozentpunkt.

65 Prozent der stationären Aufenthalte im eigenen Land
Damit finden mittlerweile 65 Prozent der stationären Aufenthalte von Burgenländern im eigenen Land statt, 35 Prozent weiterhin außerhalb. Herzchirurgie, Neurochirurgie, TAVI und der Orthopädie-Schwerpunkt in Kittsee waren im Vergleichsjahr allerdings noch gar nicht oder erst teilweise verfügbar.

Dass der Ausbau auch Patienten von außerhalb anzieht, zeigen 11.538 stationäre Aufenthalte aus anderen Bundesländern im Vorjahr.

Steirer kommen immer öfter ins Burgenland
Besonders deutlich wird das bei den Steirern: Während dort 5386 Aufenthalte von Burgenländern gezählt wurden, kamen bereits 5313 Steirer zu Behandlungen ins Burgenland. Wien bleibt dagegen das mit Abstand größte Ziel für Burgenlands Gastpatienten: 9292 Aufenthalte von Burgenländern dort stehen nur 1376 Wienern hier gegenüber. Auch bei Niederösterreich ist die Differenz mit 7367 zu 4639 noch deutlich. „Wir wollen nicht jede hochspezialisierte Behandlung im Burgenland selbst machen – das wäre weder sinnvoll noch seriös“, sagt Doskozil. Ausgebaut werde dort, wo Qualität, Fachkräfte und Bedarf vorhanden sind.

„Ich würde heute nicht mehr leben“
Patient versteht Widerstand aus dem Bund gegen Herzchirurgie nicht

Wenn Edi Novosel hört, wie über die Herzchirurgie in Oberwart diskutiert wird, macht ihn das wütend. „Ohne diese Abteilung und die Ärzte wäre ich heute nicht mehr am Leben“, sagt der Stegersbacher. Dass vor allem Politiker im Bund den Bedarf immer wieder infrage stellen, kann er nicht verstehen.

Eine Herz-OP rettete Edi Novosel (mit Hund: Susi) das Leben
Eine Herz-OP rettete Edi Novosel (mit Hund: Susi) das Leben(Bild: Carina Fenz)

Im September 2025 erlitt Novosel im Urlaub zwei Herzinfarkte. „Ich habe schon gemerkt, dass etwas nicht stimmt, wollte aber durchbeißen und bin noch heimgefahren.“ Sein Hausarzt schickte ihn zum Internisten, von dort ging es sofort ins Spital. Zwei Stents brachten nicht die erhoffte Besserung, bis zum Frühjahr kam Atemnot dazu. Die Ärzte rieten zu zwei Bypässen. „Wenn ich darauf länger hätte warten müssen, würde ich heute nicht mehr leben“, sagt Novosel. Im Juni wurde er in Oberwart operiert.

Von Ärzten und Personal schwärmt er bis heute: „Die sind kompetent und unglaublich herzlich. Wenn ich zur Kontrolle komme, wissen sie noch meinen Namen, fragen nach, rufen sogar an.“ Für Novosel zählt deshalb nur eines: „So etwas darf die Politik nicht schlechtreden.“ 

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