„Falter“-Chefredakteur Florian Klenk geht juristisch gegen das umstrittene Onlineportal „Exxpress“ von Herausgeberin Eva Hieblinger-Schütz vor. Nach Angaben des 53-Jährigen soll das Medium ein Video von ihm zum Fall „Gunkl“ verdreht dargestellt haben, woraufhin ein öffentlicher Shitstorm auf Klenk prasselte.
Am 19. September veröffentlichte Klenk auf Instagram ein Video, in dem er den Fall „Gunkl“ analysierte. Seit Mitte September liegt gegen den 64-jährigen Kabarettisten (nach einer Selbstanzeige) eine Anklage wegen Kindesmissbrauchs vor. Worüber seither intensiv diskutiert wird: „Gunkl“ sitzt trotz der Vorwürfe nicht in U-Haft, seine mutmaßlichen Erpresserinnen allerdings schon.
„Mein Punkt war ausdrücklich, dass Politik stärker auf Prävention, Behandlung gewaltgeneigter Männer und den Schutz von Opfern setzen sollte“, schrieb Klenk in seinem „Falter“-Newsletter am Donnerstag.
Video: Das sagt Klenk zum Fall „Gunkl“
Der „Exxpress“ nahm seine Analyse volley auf und postete auf Facebook: „Klenk im Video: Bitte keine härteren Strafen für Gunkl“ und „Klenk gegen härtere Strafe für Gunkl“.
Posting: So reagierte der „Exxpress“ auf Klenks Video
Klenk konterte den Headlines so: „In Wahrheit habe ich weder eine mildere Bestrafung Paals verlangt noch gefordert, Sexualstraftäter zu schonen.“
„MIttäter“, „Pädosau“
Unter dem Facebook-Beitrag des Krawallmediums entwickelte sich sofort ein Shitstorm gegen den „Falter-Herausgeber mit Hunderten gehässigen und widerlichen Kommentaren. Klenk wurde etwa als „Mittäter“, „Pädosau“ und „Kinderficker“ bezeichnet. Andere User schrieben, er hätte selbst „Dreck am Stecken“. Klenk dazu schockiert: „Ich hatte Angst, die FPÖ, aber auch die AfD würden den Artikel teilen – dann ist es nur mehr ein Klick bis zu den sogenannten ,Pädohuntern‘“.
Darf sie einen Shitstorm einfach weiterlaufen lassen, um ihre Marke zu verbreiten – oder muss sie handeln? Diese Frage wird nun ein Gericht beantworten.
„Falter“-Chefredakteur Florioan Klenk über „Exxpress“-Herausgeberin Eva Hieblinger-Schütz
Ein User drohte ihm sogar, die „Eier abzuschneiden und ins Maul zu stopfen“. Zu diesem User nahm Klenk persönlöich Kontakt auf, wie er in einem weiterne Posting verriet (siehe Posting unten).
Klenk wollte Löschung sämtlicher Hasskommentare
Klenk nahm wegen der Hasskommentare auch Kontakt zur „Exxpress“-Herausgeberin Eva Schütz und „Exxpress“-Chefredakteurin Laura Sachslehner auf. „Ich habe zunächst mehrfach versucht, die Sache außergerichtlich zu lösen. Wenn so eine Hasswelle rollt, sind Stunden entscheidend“, so Klenk. Am nächsten Tag habe man ihm mitgeteilt, dass man „eine Überprüfung eingeleitet“ habe und man rechtswidrige Inhalte löschen werde.
Laut Klenk wurden erst mehr als einen Tag später rund 400 der 600 Hasskommentare gelöscht. Für den „Falter“-Chefredakteur zu wenig: „Einige Hasspostings sind weiterhin abrufbar.“ Klenk klagt nun den „Exxpress“ auf Entschädigung, Urteilsveröffentlichung und Löschung der Kommentare. Seine Anwältin ist Maria Windhager.
Klenk rechtfertigt die Klage so: „Ja, der ,Exxpress‘ darf meine Positionen hart kritisieren. Er darf mich politisch, journalistisch oder persönlich angreifen. Aber die Frage, die ich mit meiner Anwältin Maria Windhager nun grundsätzlich klären lassen will, lautet: Welche Verantwortung trägt ein Medieninhaber, wenn auf seinem eigenen Social-Media-Auftritt massive ehrverletzende Nutzerkommentare verbreitet werden, wenn er mehrmals konkret darauf hingewiesen wird und sie dennoch über Stunden online lässt?“
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