Geraten E-Autos tatsächlich häufiger in Brand? Sind sie schwerer zu löschen? Und droht beim Öffnen der Tür ein Stromschlag? Feuerwehrtechniker Dominik Hochenegger kennt die Antworten – und warnt vor Panikmache.
Elektroautos sorgen regelmäßig für Schlagzeilen, wenn eines von ihnen in Flammen aufgeht. Doch wie groß ist die Gefahr tatsächlich? „Elektrofahrzeuge brennen nicht häufiger als Pkw mit Verbrennungsmotor“, sagt Dominik Hochenegger vom Landes-Feuerwehrverband Tirol. Der KFZ- und Karosserie-Technikermeister sowie gerichtlich zertifizierte Sachverständige beschäftigt sich seit 2012 intensiv mit Elektromobilität und alternativen Antriebstechnologien. Seit 2018 fließt sein Wissen auch in die Ausbildung der Tiroler Feuerwehren ein.
Pkw mit Verbrennermotor fangen viel öfter Feuer
Der Blick auf die Brandstatistiken relativiere die öffentliche Wahrnehmung deutlich. Laut den von Hochenegger angeführten Zahlen brennen Fahrzeuge mit einem Verbrennungsmotor deutlich häufiger als Elektroautos. „Von 100.000 Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor fangen 1530 Feuer. Bei Elektroautos sind es lediglich 25 Brände pro 100.000 Fahrzeuge. Dies entspricht rechnerisch einer rund 60-fach höheren Brandhäufigkeit bei Verbrennerfahrzeugen“, meint der Experte zur „Krone“.
Der Grund sei nachvollziehbar: Benzin ist leicht entzündlich, Diesel ebenfalls brennbar und ein Auspuff kann rund 600 Grad heiß werden. Ein technischer Defekt oder ein Verkehrsunfall können deshalb rasch einen Brand auslösen.
Jedes Elektroauto, das brennt, schafft es in die Zeitung. Ein brennender Benziner erregt relativ wenig Aufmerksamkeit.

Landes-Feuerwehrtechniker Dominik Hochenegger
Bild: Landes-Feuerwehrverband Tirol
Warum sorgen brennende E-Autos trotzdem für so viel Aufmerksamkeit? „Jedes Elektrofahrzeug, das brennt, schafft es auch in die Zeitung“, erklärt Hochenegger. Ein brennender Benziner sei dagegen schon längst nichts Ungewöhnliches mehr.
Die Brandbekämpfung unterscheidet sich kaum von jener bei einem Verbrenner, wenn bei einem E-Auto etwa der Innenraum, die Reifen oder der Motorraum brennen. Kritischer wird es, wenn die Hochvoltbatterie, die in einer Art Tresor verbaut ist, selbst Feuer fängt. Dann muss diese auch intensiv gekühlt werden.
Nicht jedes brennende E-Auto muss ins Wasser
Das spektakuläre Fluten eines Elektroautos in einem Wassercontainer ist dabei keineswegs Standard. „Das Fluten eines E-Autos ist immer die absolute Notlösung“, weiß Hochenegger. Schließlich ist ein geflutetes Fahrzeug praktisch ein wirtschaftlicher Totalschaden. Zudem ist das kontaminierte Löschwasser speziell zu entsorgen. Daher versucht die Feuerwehr zunächst, die Batterie mit herkömmlichen Mitteln wie etwa Strahlrohren zu kühlen. Wärmebildkameras zeigen, ob sich weiterhin Hitze entwickelt. Erst wenn eine erneute Brandentwicklung nicht ausgeschlossen werden kann, sind spezielle Kühl- oder Sicherheitsmaßnahmen nötig.
Auch im Tunnel unterscheidet sich die Gefahr eines Fahrzeugbrandes grundsätzlich nicht nach Antrieb. „In einem Tunnel ist ein Brand nie gut“, sagt Hochenegger. Die Brandlast eines E-Autos sei mit jener eines Verbrenners vergleichbar. Moderne Tunnel verfügen zudem über Sicherheits- und Entrauchungssysteme.
Bei E-Bussen und E-Lkw ist zwar mehr Energie in den Batterien gespeichert, die Systeme sind jedoch teilweise auf mehrere Gehäuse verteilt. Das kann die Brandbekämpfung sogar erleichtern.
Und besteht tatsächlich bei einem verunfallten E-Auto Stromschlaggefahr? „Das ist ein sehr verbreiteter Mythos. Man kann als Ersthelfer das Auto berühren, ein- und aussteigen sowie die erste Löschhilfe durchführen, ohne sich Sorgen machen zu müssen“, widerspricht der Fachmann.
Nach dem Löschen ist aber weiterhin Vorsicht geboten
Auch für den Abtransport ausgebrannter E-Autos seien nicht grundsätzlich Spezialfirmen nötig. Abschleppunternehmen seien längst auch auf Elektrofahrzeuge eingestellt. „Nach einem Brand sollte ein Elektrofahrzeug sicherheitshalber für einige Tage auf einer ausreichend großen Freifläche abgestellt werden, um im Falle einer Wiederentzündung eine Brandausbreitung auf Gebäude oder andere Objekte zu verhindern“, verdeutlicht Hochenegger.
Für die Feuerwehr bleibt die wichtigste Regel unabhängig vom Antrieb: Zuerst werden Menschen gerettet und die Flammen bekämpft. Erst danach entscheidet die Antriebstechnologie über die weiteren Maßnahmen.
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