Noch bevor der Zivildienst womöglich auf elf Monate ausgeweitet wird, drängen immer mehr junge Männer in das „alte“ Modell – und erhöhen just damit die Wahrscheinlichkeit, dass der längere Wehrersatzdienst bald verpflichtend kommen wird.
Seit Jänner wird um die Wehrdienst-Reform gerungen. Erst lieferten sich die Koalitionspartner monatelange Grabenkämpfe um konkurrierende Modelle, lange Zeit schwebte sogar eine Volksbefragung über der Debatte. Am Ende stand ein fauler Kompromiss, gerade rechtzeitig, damit man beim Sommerministerrat in der Salzburger Schwarzenbergkaserne Ende Juli etwas vorzuzeigen hatte. Seither wird nachverhandelt. Und ob die Opposition der Regierung die nötige Zweidrittelmehrheit liefert, ist bis heute offen. So verworren das politische Lagebild ist, so eindeutig reagieren jene, die es betrifft. Wie der „Krone“ vorliegende Zahlen zeigen, zieht es junge Männer seit Jahresbeginn verstärkt in den Zivildienst.
Höchster August-Wert aller Zeiten
Von Jänner bis August wurden heuer 903 Zivildiensterklärungen mehr abgegeben als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. „Das entspricht einem Plus von rund 8,4 Prozent“, bestätigt man im Ministerium von Claudia Bauer (ÖVP). Richtig steil wird die Kurve aber erst nach dem Sommerministerrat. Wie berichtet, hatte sich der Sprung bereits abgezeichnet. Jetzt liegen die finalen Zahlen vor, und sie zeigen einen regelrechten Ansturm auf den Wehrersatzdienst: 874 Zivildiensterklärungen im August 2025, 1327 im August 2026.
Das entspricht einem Plus von knapp 52 Prozent und der höchst gemessene August-Wert aller Zeiten. Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Wer sich jetzt entscheidet, will seinen Dienst hinter sich bringen, bevor die Reform greift. Tritt sie wie geplant 2027 in Kraft, können Zivildiener ihren Dienst an der Gesellschaft vorerst freiwillig um zwei Monate verlängern und in ihrer jeweiligen Einrichtung bleiben.
Doch die Freiwilligkeit hat ein Ablaufdatum. Sinkt die Zahl der Grundwehrdiener in einem Jahr unter 13.875, werden 9+2 Monate ab dem Folgejahr verpflichtend. Dann kann bei der Verlängerung zwischen drei Varianten gewählt werden (siehe Grafik). Und damit schließt sich der Kreis. Je mehr junge Männer jetzt in den Zivildienst ausweichen, desto näher rückt genau jene Schwelle, die den Zivildienst für alle danach verlängert.
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