Die Anklägerin ist sich im Geschworenenprozess in Korneuburg sicher: Der 54-jährige „Ziehsohn“ des Opfers, ein Tischler aus Polen, wollte die 80-jährige in deren Haus töten. Dem Mann, der die Tat leugnet und von einem Unfall spricht, droht bis zu lebenslange Haft.
Was geschah am 10. Dezember 2025 im Anwesen des Opfers in Lanzendorf (NÖ)? Die Staatsanwältin ist überzeugt, dass der angeklagte Pole an jenem Abend die 80-jährige Hausherrin die Kellertreppen hinunter gestoßen und mit einer Glasscherbe in den Hals geschnitten hat: Mordversuch!
Der Angeklagte behauptet, die ältere Dame sei über die Treppe gestürzt und habe sich an Glasscherben einer zerbrochenen Weinflasche geschnitten ...
Die Historie des Falls ist außergewöhnlich. Das mutmaßliche Motiv ist es nicht: Es geht ums Geld! Der gelernte Tischler war seit 20 Jahren wie ein Ziehsohn für das Ehepaar G., hatte sogar einen Hausschlüssel.
Angeklagter sollte neues Haus des Opfers mitfinanzieren
Als der Ehemann 2023 verstarb, wusste der Angeklagte, dass er nach dem Tod der Frau Alleinerbe sein würde. Doch 2025 wird es kompliziert: Die 80-Jährige lernte einen fast halb so alten Mann kennen, der Pole ist irritiert. Außerdem beschließt sie, aus dem zu großen Haus auszuziehen. Das neue, kleinere sollte der Angeklagte maßgeblich mitfinanzieren: „Wenn du alles erben willst, dann kauf mir ein Haus oder eine Wohnung“, soll die rüstige Frau laut seinem Verteidiger zu ihm gesagt haben. Er stimmte zu, seine Ersparnisse in der Höhe von 420.000 Euro in das neue Zuhause von Frau G. zu investieren.
Er konnte es nicht erwarten, er wollte endlich erben.

Opferanwalt Manfred Arbacher-Stöger
Bild: Anja Richter
„Er hatte Angst, das versprochene Erbe zu verlieren – und sein investiertes Geld“, sagt die Staatsanwältin. Deshalb habe er die Frau an jenem Abend zur Treppe gelockt und hinuntergestoßen. Anschließend soll er sein schwer verletztes Opfer mit einer zuvor zerschlagenen Weinflasche in den Hals geschnitten haben. Eineinhalb Stunden lang lag die blutende Frau am Kellerboden: „Sie flehte um ihr Leben, sie hatte Angst um ihr Leben.“
„Ich werde allen sagen, dass du gestürzt bist“
Der 54-Jährige soll ihr gedroht haben: „Ich bringe dich jetzt um und sage, dass du gestürzt bist.“ Opferanwalt Manfred Arbacher-Stöger ist sicher: „Er konnte es nicht erwarten, er wollte endlich erben.“
Eine Version, die der Pole beim Geschworenenprozess im LG Korneuburg (NÖ), nicht bestätigt. Er bekennt sich „nicht schuldig“. Urteil ausständig – der Prozess wurde auf unbestimmte Zeit vertagt.
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