Erschreckende Bilder

„Ewiges Eis“ fast weg: Gletscher wird zu See

Klima
13.09.2026 11:53
Porträt von krone.at
Von krone.at

Schon lange lässt der Klimawandel die Gletscher wegschmelzen. Der Schlatenkees in Tirol ist allein in der Zeit von 1998 bis 2022 um ein Viertel (!) geschrumpft. Aktuelle Vorher-Nachher-Bilder zeigen eine beängstigende Entwicklung.

Seit August 2019 dokumentiert der Fotograf Mitja Kobal für die Umweltschutzorganisation Greenpeace, wie die einst dicke Eisschicht im Kessel des Osttiroler Schlatenkees im Verlauf der Jahre bis zum August 2026 weitgehend zu einem Schmelzwassersee verwandelt wurde. Der Schlatenkees gehört zu der Venedigergruppe in den Ostalpen.

„Die Gletscher sind ein Spiegel der Klimakrise“, warnte Greenpeace-Klimaexpertin Jasmin Duregger. Das Schwinden des einstigen „Ewigen Eises“ sei aber nicht nur eine Folge der Klimakrise, sondern beeinflusse das alpine Klima auch direkt, erklärte die Umweltschutzorganisation. Intakte Gletscher kühlen die Atmosphäre stattdessen auch aktiv und ihr Verlust führt somit zu einer zusätzlichen lokalen Temperaturerhöhung im Hochgebirge.

Der Schlatenkees im August 2019 (oben links), 2022 (oben rechts), 2024 (unten links) und 2026 ...
Der Schlatenkees im August 2019 (oben links), 2022 (oben rechts), 2024 (unten links) und 2026 (unten rechts)(Bild: APA/GREENPEACE/MITJA KOBAL)

Ein Verlust, der beim Schlatenkees besonders rasant vonstattengeht. So hielt der Nationalpark Hohe Tauern auf seiner Internetpräsenz fest, dass zwischen 1998 und 2022 die Fläche des Gletschers von 9,1 auf 6,8 Quadratkilometer geschrumpft sei, was einem Rückgang von 25 Prozent entspreche. Der Alpenverein (ÖAV) hielt den längenmäßigen Rückgang das letzte Mal im Jahr 2023 fest, wo er 93,7 Meter einbüßte, so Greenpeace.

Von 2019 (oben links) bis 2026 (unten rechts) veränderte sich der Gletscher extrem stark. 2022 ...
Von 2019 (oben links) bis 2026 (unten rechts) veränderte sich der Gletscher extrem stark. 2022 (oben rechts) war schon ein kleiner See zu sehen, der sich bis 2024 (unten links) schon stark vergrößerte.(Bild: APA/GREENPEACE/MITJA KOBAL)

Noch 900 Gletscher
Insgesamt gibt es derzeit noch etwa 900 Gletscher in Österreich, vor allem in den zentralen und östlichen Alpen, und sie haben als Wasserspeicher auch eine wichtige ökologische Funktion, hob Greenpeace hervor: Als bedeutende Wasserreservoirs versorgen sie so etwa Alpenflüsse und stabilisieren besonders in Sommermonaten mit wenig Niederschlag den Wasserhaushalt.

Beängstigende Aussichten
Ein rasantes Abschmelzen bestätigt auch ein im März publiziertes Teilergebnis des Forschungsprojekts „Wasser im Klimawandel“, das im Auftrag des Umweltministeriums durchgeführt wird. Bis zum Jahr 2050 werden demnach zwischen 70 und 80 Prozent der Gletschermasse im Vergleich zu 2024 verloren gehen, wobei sich die Spanne zwischen den beiden Berechnungsergebnissen aus den unterschiedlichen möglichen Klimaszenarien ergibt. Auch die Abschmelzung in den Jahren davor war demnach stärker, als anhand bisheriger Modellierungen angenommen wurde.

Greenpeace forderte jetzt angesichts der Entgletscherung, dass Österreich das angekündigte Klimagesetz ambitioniert mit verpflichtenden Pfaden zur Klimaneutralität 2040 gestalten müsse. „Um die verbleibenden Gletscher zu schützen, müssen Umweltverträglichkeitsprüfungen bei Gletscher-Bauprojekten ausgeweitet werden“, forderte Duregger.

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