Die Dachsteingletscher sind nicht mehr zu retten. In 15 Jahren wird nur noch ein kümmerlicher Rest vorhanden sein, weil das Sterben durch Abtauen beschleunigt sich rasant. Bei einer Tour zu den noch großen Schweizer Gletschern erfuhr eine Delegation aus Oberösterreich, dass auch diese Eisriesen nicht zu retten sind.
Klimaschutzlandesrat Stefan Kaineder zeigte sich beim Lokalaugenschein in der Schweiz über den Zustand der dortigen Hochgebirgsgletscher erschüttert. „Die Situation ist deutlich dramatischer, als ich es mir vorgestellt habe“, betont der Grünen-Politiker, der den großen Aletschgletscher (reicht bis auf 4160 Meter Höhe) im Wallis und den Gornergletscher (bis 4600 Meter) nahe des Matterhorns in Augenschein nahm. „An den Abbruchkanten kann man gut sehen, wie selbst in solchen Höhen das Volumen des ewigen Eises immer mehr abnimmt.“
Der Klimawandel hat die Alpen schwer im Griff. Gletscherretten kann man nur mit Klimaschutz, doch das scheitert meist an konkreten Maßnahmen.

Gletscherforscher Matthias Huss
Bild: Jürgen Pachner
400 Kubikmeter Wasser pro Sekunde weg
Eine Beobachtung, die Gletscherforscher Matthias Huss von der ETH Zürich, er ist auch Chef des Schweizer Gletschermessnetzes GLAMOS, wissenschaftlich untermauert. „Unsere Gletscher verlieren pro Sekunde 400 Kubikmeter Wasser – eine Menge, die höchst beunruhigend ist.“
Der sogenannte Gletscherschwundtag – er markiert jenen Zeitpunkt im Jahr, an dem ein Gletscher mehr Eis und Schnee verloren hat, als er im vorhergehenden Winter an Reserven aufbauen konnte – setze nun immer früher ein. In der Schweiz war er heuer am 30. Juni. „Um das stoppen zu können, müssten die CO2-Emissionen auf null gesenkt werden, doch die Konzentration steigt.“
Umkehrpunkt längst überschritten
Am Hallstätter Gletscher auf dem Dachstein wird der Gletscherschwund von einem Team rund um den Blue-Sky-Meteorologen Klaus Reingruber und der Innsbrucker Glaziologin Andrea Fischer seit 20 Jahren wissenschaftlich dokumentiert.
Wir haben uns damit abgefunden, dass die Gletscher am Dachstein nun nicht mehr zu retten sind. Man hätte vor 25 Jahren etwas tun müssen.

Meteorologe Klaus Reingruber
Bild: Jürgen Pachner
Auch hier ist die Lage trist. „Die Abschmelzrate ist sehr, sehr hoch. Zwischen vier und sechs Millionen Kubikmeter Wasser rinnen jährlich weg“, sagt Reingruber. Er rechnet damit, dass es in 15 Jahren am Dachstein keine Gletscher mehr gibt: „Die haben ein Ablaufdatum. Leider wurde der Punkt übersehen, mit Klimaschutzmaßnahmen wirksam dagegen zu steuern.“
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