WWF schlägt Alarm

Wenn Flüsse nur noch flüstern, anstatt zu rauschen

Niederösterreich
12.09.2026 08:59

Die „fließenden Juwele“ des Landes schwappen beinahe leer in den Herbst. Die Naturschutzorganisation WWF ruft den Ökonotstand aus!

90 Prozent der Pegelmessstellen zeigten österreichweit im August alarmierend niedrige Wasserstände. Besonders dramatisch ist die Lage in Niederösterreich: Manche Flüsse sind kaum mehr als ein Schatten ihrer selbst. Denn der Sommer hat die „fließenden Juwele“ nahezu verdampft. Hitze und monatelange Trockenheit haben aus munter dahinplätschernden Gewässern vielerorts traurige Rinnsale gemacht.

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Der anhaltende Wassermangel setzt die Fische und ihre Lebensräume unter Druck! Wir müssen den Flüssen und ihren Lebewesen mehr Raum geben.

Marie Pfeiffer, Expertin des WWF

Besonders bitter ist die Lage an der Leitha bei Deutsch-Haslau – zuletzt 98 (!) Prozent unter dem langjährigen Mittel. Die Thaya dümpelt in Raabs bei minus 96 Prozent dahin. Und der Kamp bei Zwettl führt 89 Prozent weniger Wasser. „Ein historischer Tiefstand“, warnt WWF-Ökologin Marie Pfeiffer. Erschreckende Ökotatsache: Für die Fischfauna wird das Überleben zum Kampf. Denn seichtes Wasser erwärmt sich rasch, zugleich schwindet der Sauerstoff. Bachforelle, Äsche und Huchen finden kaum noch kühle Refugien.

Extrem niedrige Pegelstände sind für viele heimische Fischarten wie den Huchen (Bild) tödlich.
Extrem niedrige Pegelstände sind für viele heimische Fischarten wie den Huchen (Bild) tödlich.(Bild: Marktgemeinde Ober-Grafendorf)

Mehr Schutz für gefährdete Gewässer
Der WWF fordert deshalb ein bundesweites Schutzprogramm für gefährdete Gewässer: mehr Restwasser, weniger Entnahmen in Trockenzeiten, Schatten spendende Ufergehölze und die Wiederbelebung von Auen. Denn die Rechnung der Natur ist einfach: Je weniger Wasser da ist und je heißer es wird, desto weniger Spielraum bleibt dem Leben im Fluss.

Der WWF fordert mehr Aufweichung der Ufer zur besseren Durchströmung der Flüsse.
Der WWF fordert mehr Aufweichung der Ufer zur besseren Durchströmung der Flüsse.(Bild: Egger)

Ein paar Regentage könnten die Pegel zwar wieder steigen lassen. Doch die Narben eines glühend heißen, zu trockenen Sommers verschwinden nicht über Nacht. Öko-Urgestein Helmut Belanyecz aus Fischamend: „Unsere Flüsse flüstern nur noch statt zu rauschen! Dieser leise Wellenschlag sollte uns laut genug sein. Denn wenn aus dem Flüstern irgendwann Stille wird, ist es für viele Bewohner unserer Gewässer längst zu spät.“

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