Grapsch-Affäre im Land

Zu Schnitzel und Co. gab es Gespräche über Sex

Kärnten
11.09.2026 13:53

Der Prozessauftakt rund um einen ehemaligen Landesbediensteten des Landes Kärnten, dem sexuelle Belästigung eines Lehrlings vorgeworfen wird, lässt tief blicken: von fragwürdigen Aussagen bis zu obszönen Ostergeschenken.

Mehrmals entschuldigt sich der 47-Jährige bei seiner Aussage bei Richter Gernot Kugi für sein Verhalten. „Es hat Aussagen gegeben, die mit Sicherheit Grenzen überschritten haben. Aber die anderen Vorwürfe weise ich zurück“, sagt der Familienvater, der sich nicht schuldig bekennt. 

Für Staatsanwältin Barbara Baum hingegen ist die Sache völlig klar. „Als Vorgesetzter eines Lehrlings haben Sie sich nicht nur in vielfältiger Weise distanzlos und unprofessionell verhalten, sondern sich auch strafbar gemacht.“ Immerhin wird dem ehemaligen Landesbeamten Missbrauch des Autoritätsverhältnisses und sexuelle Belästigung gegenüber einem weiblichen Lehrling vorgeworfen – wir berichteten.

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Ich habe selten Akten gesehen, die so viele Widersprüche beinhalten, wie jene von diesem Prozess.

Philipp Tschernitz, Verteidiger des Angeklagten

Flapsige Sprüche und obszöne Geschenke
Und während der Wahrheitsfindung dreht es sich immer wieder um ein äußerst kurioses und obszönes Ostergeschenk: eine Gurke, mit zwei pinken Eiern und weißer Schokolade obendrauf, die ein männliches Glied nachbilden sollen. „Gibt das ein gutes Bild für eine Abteilung der Kärntner Landesregierung ab?“, will mehrmals Herr Rat vom Angeklagten wissen. Und mehrmals versucht dieser, das Geschenk als Scherz abzutun. 

Aber nicht nur der weibliche Lehrling soll unter dem 47-Jährigen gelitten haben. Ein männlicher Kollege soll auch immer wieder Opfer verbaler Attacken geworden sein. Beim gemeinsamen Mittagstisch soll es sich mehrmals um sexuelle Themen gedreht haben, die von einem Zeugen als „blöde Gespräche“ beim Prozess kleingeredet werden.

Lehrlingsbeauftragte mit auf der Anklagebank
Nicht nur der 47-Jährige muss sich vor dem Schöffensenat verantworten. Auch die Lehrlingsbeauftragte rückte ins Visier der Justiz. Sie soll von den Vorwürfen gegen den Familienvater gewusst, diese jedoch ignoriert haben.

„Ich bin seit Jahrzehnten Beamtin und habe meine Aufgaben immer gesetzeskonform behandelt. Wenn ich nur im Ansatz gewusst hätte, was da passiert sein soll, dann hätte ich mich sofort darum gekümmert“, verteidigt sich die Zweitangeklagte.

Wie der Prozess am Ende ausgeht, wird sich frühestens am 2. Oktober zeigen. An diesem Tag sollen weitere Zeugen, unter ihnen die Eltern des Opfers, zu Wort kommen.

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