750.000 Euro Schaden

Wiener Darknet-Boss nutzte perfide Betrugsmasche

Österreich
11.09.2026 13:59

Mit falschen Ausweisen zum großen Handy-Coup: Mit mehr als 200 gestohlenen Identitäten eröffnete eine Bande mit Kopf aus Wien Bankkonten und bestellte Luxus-Handys. Doch die Masche reichte weit über Österreich hinaus – die entscheidende Spur führte nämlich ins internationale Darknet.

Alles begann mit einem blauen österreichischen Personalausweis. Name und Geburtsdatum wirkten echt – nur das Gesicht darauf tauchte plötzlich immer wieder auf. Unter vollkommen unterschiedlichen Identitäten. Was zunächst nach einigen gefälschten Dokumenten aussah, entpuppte sich für Ermittler des Landeskriminalamts Wien schließlich als ausgeklügeltes Betrugsnetzwerk mit Verbindungen ins Darknet. Der Schaden: mindestens 750.000 Euro.

Mehr als 200 Bankkonten sollen mit gestohlenen Identitäten eröffnet worden sein. Mit den falschen Ausweisen bestellten die Täter die teuersten Smartphones, die sie bekommen konnten. „Pro Bestellung waren wir ungefähr bei 3000 bis 4000 Euro“, schildert Ermittler Robert Meusburger. 

Teure Handys auf fremden Namen
Die Masche war ebenso simpel wie dreist. Mit gefälschten Personalausweisen wurden Bankkonten eröffnet, danach bei Mobilfunkanbietern Verträge abgeschlossen und gleich mehrere hochpreisige iPhones und Android-Geräte bestellt. Anschließend holten „Läufer“ die Ware ab. Die Hintermänner sollen dabei im Verborgenen geblieben sein. Rekrutierer chauffierten die Läufer zu Banken und Abholstationen, warteten auf sie und sammelten anschließend Handys und Unterlagen ein.

Das Netzwerk der Bande.
Das Netzwerk der Bande.(Bild: Landespolizeidirektion Wien)

Die Spur führte ins Darknet
Dann fiel ein Name: „Inko1“. Unter diesem Decknamen soll einer der mutmaßlichen Haupttäter im Darknet aktiv gewesen sein. Auf der deutschen Plattform „Crime Network“ soll er gefälschte Ausweise regelrecht beworben haben – Stückpreis rund 600 Euro. Der Österreicher soll dort zudem gezielt nach Läufern für Wien gesucht haben. Ihre Aufgabe: Mit den falschen Identitäten Konten eröffnen. Die fertigen Bankkonten wurden teilweise wiederum im Darknet weiterverkauft.

Den entscheidenden Hinweis lieferten deutsche Behörden. Nachdem die Darknet-Plattform „Crime Network“ zerschlagen worden war, gelangten Daten der Plattform zu österreichischen Ermittlern. „Inko1“ hatte bei einem Kryptokonto offenbar einen großen Fehler gemacht: Er hinterlegte seinen echten Ausweis. Plötzlich hatte die Polizei eine konkrete Spur.

Netzwerk war bestens organisiert
Chats sollen zeigen, wie arbeitsteilig die Gruppe organisiert war. Nach Erkenntnissen der Polizei gab es drei mutmaßliche Hauptakteure: „Inko1“ als Verkäufer, einen Fälscher sowie einen Assistenten, der Dokumente bearbeitet, zugeschnitten und verschickt haben soll. Darunter standen Rekrutierer und Läufer. Einige kamen laut Ermittlern aus dem Suchtgiftmilieu, bei zumindest drei Personen wird vermutet, dass sie obdachlos waren. 

Scheinkäufe im Darknet, Observationen und Telefonüberwachungen folgten. Schließlich passierte dem mutmaßlichen Kopf der entscheidende Fehltritt: Vor einer Bankfiliale wurde er gemeinsam mit einer Läuferin bei einer Kontoeröffnung fotografiert – samt Fahrzeug und Kennzeichen. Später wurde zudem DNA auf einem Umschlag eines von Ermittlern durchgeführten Scheinkaufs gefunden. Im August 2025 klickten für „Inko1“ schließlich die Handschellen.

Zitat Icon

Ich gehe davon aus, dass es noch jemanden über „Inko1“ gibt, der aber nicht bei uns in Österreich sitzt.

Robert Meusberger, zuständiger Ermittler des Landeskriminalamts Wien

Fälscher-Werkstatt im 21. Bezirk
Mit seiner Festnahme war die Arbeit aber längst nicht vorbei. Auf sichergestellten Handys und Computern fanden die Ermittler eine enorme Menge an Daten und stießen auf weitere mutmaßliche Hintermänner. Im März dieses Jahres folgte schließlich der nächste große Schlag. In einer Wohnung in Floridsdorf stießen Ermittler auf Gerätschaften, mit denen sich professionelle Ausweise herstellen lassen: eine hydraulische Presse, ein Lasergerät, Epoxidharz sowie weiteres Material zur Bearbeitung der Karten.

Mit diesen Geräten wurden die Ausweise gefälscht.
Mit diesen Geräten wurden die Ausweise gefälscht.(Bild: Landespolizeidirektion Wien)

Insgesamt kam es im Zuge der Ermittlungen zu zwölf Festnahmen, 15 Personen wurden laut Polizei bereits verurteilt. Die drei mutmaßlichen Hauptakteure – alle ungefähr 40 Jahre alt und bislang unbescholten – befinden sich laut Ermittlern in Untersuchungshaft. Sie haben die Aussage verweigert. Für sämtliche Beschuldigte gilt die Unschuldsvermutung. Und selbst nach den umfangreichen Ermittlungen bleibt für die Polizei eine entscheidende Frage offen: War „Inko1“ tatsächlich die Spitze des Netzwerkes? Meusburger hält es jedenfalls für möglich, dass die Fäden noch weiter reichen. Und ein weiterer Hintermann außerhalb Österreichs sitzt …

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