Volkstheater-Premiere

„Macbeth“- verkommen und verloren im Cyberspace

Kultur
11.09.2026 10:16

Dem Wiener Volkstheater misslingt die Saisoneröffnung mit William Shakespeare und „Macbeth“ unter der Hausregisseurin Rieke Süßkow.

Gleichviel, ob etwas dreidreiviertel Stunden dauert wie der verhaute Schnitzler zur Josefstadt-Eröffnung oder 65 Minuten wie das, was sich hier als „Macbeth“ ausgibt: Wenn eine Regiearbeit von innen her unredlich ist, selbstdarstellerisch, vernarrt in die eigene Extravaganz, muss sie scheitern. Wenn Geist und Sprache eines Werks nicht einmal mehr der Form halber bemüht werden, um sich vor den Regieeinfällen zu verbiegen, ist das Etikettenschwindel.

Dabei ist Rieke Süßkow eine interessante Regisseurin mit Augen und Ohren für den Effekt. Vieles, was hier geboten wird, ist ansehbar, auch eindrucksvoll. Aber als zentrales Repertoirestück eines großen Hauses in Zeiten schwindenden Publikumszulaufs ist es viel zu wenig. Es scheint, als hätte die Regisseurin den Schritt aus den engen Räumen der freien Szene nicht geschafft. So wird ein gerade noch für den Kleinschauplatz „Dunkelkammer“ taugliches Experiment auf Bühnenbreite (Mirjam Stängl) gebläht.

Ein Mann und eine Frau spielen ein entgleisendes Computerspiel namens „Hail Macbeth“. Die Figuren auf dem zentralen Riesendisplay sind entseelte Puppen, die sich über die wenigen verbliebenen Shakespeare-Rudimente lustig machen. Dabei ist die Parabel von der Aufstiegsgier bis zur Selbstverwüstung alles andere als erheiternd. 

Wenn hier Schauspielartiges vorzuweisen ist, gelingt es Nicolas Frederick Djuren etwas besser als Karoline Reinke. Kurz: Der Erwerb einer Eintrittskarte für eine Stunde substanzarmer Allotria wird nicht empfohlen.

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