20-Jahre-Jubiläum

5/8erl in Ehr’n: „Wir machen nicht dasselbe Kreuz“

Kultur
11.09.2026 05:00

20 Jahre 5/8erl in Ehr’n bedeuten auch 20 Jahre Wiener Retro-Soul, 20 Jahre Soul-Gemeinschaft in viele Tolle Erinnerungen. Bobby Slivovsky und Clemens Wenger öffnen ihre gut verpackte Geschichte, ergründen mit uns die Wahrheit und geben einen Ausblick auf alles Kommende. Ein Ritt durch Höhen und Tiefen.

Wenn man 20 Jahre lang miteinander musiziert, dann ändern sich die Gesprächsthemen im Proberaum automatisch. Wo man früher noch den richtigen Takt suchte oder vielleicht überlegte, ob das vierte Bier noch eine gute Idee sei, geht es heute um die richtige Ernährung der eigenen Kinder oder wie man Angehörige korrekt pflegt. Bei 5/8erl in Ehr’n geht es eben um die wirklich wichtigen Dinge im Leben, diese haben auch seit den frühen Tagen ihrer Karriere ihren Platz. Jetzt feiert die Wiener-Soulband, die sich von Beginn an ihr ganz eigenes Genre etablierte, ihr 20-Jahre-Jubiläum. „Ich hätte mir das am Anfang niemals gedacht“, resümiert Sänger Bobby Slivovsky im „Krone“-Talk, „dass wir das auch noch mit der gleichen Besetzung hinkriegen. Wir haben uns aber immer miteinander weiterentwickelt.“

Eine Frage des Balkens
Die Band besteht seit jeher aus unterschiedlichen Charakteren. Auch wenn man die Grundwerte teilt, liegt das Geheimnis der Langlebigkeit mitunter in den verschiedenen Nuancen. „Wir machen in der Wahlkabine sicher nicht alle das Kreuz bei derselben Partei, aber sind alle mittig links vom Balken anzusiedeln“, präzisiert Bandkollege Clemens Wenger, „aber die Mischung machts. Es gibt die Gemütlichen, die Arbeitswütigen, die Gestressten und jene, die völlig ruhig auf Dinge blicken. Es ist aber nicht wie im Kindergarten, sondern sehr homogen. Mit zunehmendem Alter kommen natürlich Neurosen dazu, die es vorher nicht gab. Das Leben hat für alle mehr Gewicht gekriegt und man achtet anders aufeinander.“

In ihrer – zugegeben – weit ausgefransten musikalischen Kategorie hat die Band über die Jahre sieben Amadeus Awards gewonnen. „Wenn man da so oft wie wir hingeht und immer wieder neue Kolleginnen kennenlernt, merkt man erst, wie langlebig unsere Band eigentlich ist. Es gibt natürlich ein paar Konstanten, aber viele haben diese 20 Jahre nicht durchgehalten. So eine Konstanz ist etwas Besonderes und Seltenes. Außerdem ist es wesentlich leichter eine Solokarriere zu führen als eine Bandkarriere.“ Verschiedene Ansichten und Meinungen führen oft zu fruchtbaren Ergebnissen. „Wir haben aber immer noch genug Schnittmengen miteinander. Wir brauchen mittlerweile etwas mehr Pausen und verändern ständig Dinge. Wir waren als Band immer reflektiert, das hat uns in gewisser Weise ausgezeichnet.“

Ein wichtiges Korrektiv
Miki Liebermann, einzig weibliches Mitglied der Combo, kennt das Musikgeschäft am längsten und hat dementsprechend viel Erfahrung weitergeben können. „Sie war ganz gut dabei uns zu vermitteln, dass man nicht auf jeden Trend eingehen kann und aufspringen muss. Ein sehr gutes Korrektiv, um die eine oder andere jugendliche Fantasie einzubremsen.“ Eine Band ist ein ganz eigenes Biotop, das nach ganz eigenen Regeln funktioniert. „Viele verschiedene Einflüsse und Sichtweisen die aufeinandertreffen, führen dazu, dass man sehr viele soziale Fähigkeiten lernt und nicht immer nur seine Visionen durchboxen kann. In einer Gruppe ist viel mehr möglich und diese Stärken haben wir relativ schnell erkannt. Wir sehen einen Diskurs auch als Möglichkeit und nicht als etwas Belastendes. Es ist wie in der Gesellschaft selbst. Man muss Ambivalenzen aushalten und sich am Ende finden. Eine Band ist eine der besten Formen, um auf Augenhöhe miteinander zu kommunizieren.“

„Siasse Tschick“ war vor vielen Jahren eine Art „Gamechanger“ für die Band. Mit diesem Song spielten sich die Achterl erstmals breitenwirksam ins Rampenlicht. „Damit haben wir erstmals mehr Leute erreicht, aber von Radio Airplay war keine Spur“, so Slivovsky in der Rückschau, „damals hat man mit Plattformen wie Facebook oder YouTube noch leichter Leute erreicht. Heute ist das alles so gut wie unmöglich. „Über die Jahre hat man schon gemerkt, dass wir mit unserem Sound eine Masse erreichen und kein Spezialistenprogramm präsentieren“, so Wenger, „aber das uns Sender wie Radio Wien auch so schneiden, kann manchmal frustrierend sein. Aber man kriegt dabei auch eine gewisse Resilienz und denkt sich, dass man es auch ohne diesen Support schafft.“ Die Achterl machen kein Hehl daraus, dass Geld ein elementarer Grundstein zum Überleben und für erweiterte Glückseligkeit sein kann. „Wir sind genauso eine Firma wie wir eine Band sind. Wir alle haben andere Spielwiesen und Projekte, aber die Achterl machen einen großen Teil unseres Einkommens aus. Ansonsten könnte man so ein Projekt nicht schon seit 20 Jahren führen.“

Starauftrieb beim großen Jubiläum
Wer so hart arbeitet, der hat aber auch genug Grund zum Feiern. Das tut man unter anderem morgen, am 12. September, bei einem großen gemeinsamen Auftritt am Open-Air-Gelände in der Wiener Arena. Dafür hat man eine Vielzahl an Gästen engagiert. Man teilt die Bühne mit Yasmo, Fiva, den Strottern, David Scheid, Marianne Mendt und dem Jazzorchester Vorarlberg – alles lange und treue Wegbegleiter, zu denen man eine ganz eigene und persönliche Geschichte zu erzählen hat. „Bei den Strottern haben wir die ersten drei Alben aufgenommen, mit Fiva und Yasmo haben wir zwei neue Songs eingespielt, Marianne Mendt und das Jazzorchester haben uns schon immer begleitet und Scheid ist ein toller Künstler.“ Ein weiteres Studioalbum braucht noch etwas, weitere 20 Jahre würden Slivovsky und Wenger Stand jetzt ausschließen. „Im Reflex sagen wir nein. Aber schauen wir mal. Es kam schon vieles anders als geplant.“

Live quer durch Österreich
5/8erl in Ehr’n spielen morgen, am 12. September, ihr 20-Jahre-Jubiläumskonzert am Open-Air-Gelände der Wiener Arena. Weitere Termine: 9. Oktober Donaubühne Tulln, 22. Oktober ARGEKultur Salzburg, 23. Oktober, Spielboden Dornbirn, 20. November Orpheum Graz, 21. November Bühne im Hof in St. Pölten und 22. November im Orpheum Wien. Karten gibt es unter www.oeticket.com solange der Vorrat reicht. Es könnte manchmal schnell knapp werden.

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