Wiener Aktionismus Museum: Proteste und Trillerpfeifen gegen die heftig umstrittene Schau „Kunst am Abgrund“ mit Werken von Otto Muehl.
Pädokrimineller Straftäter & Sektenguru“, „Profit baut auf Missbrauch“, „WAM = Tätermuseum“ steht auf meterlangen Spruchbändern, Anklagen über Kinderschändung und Machtmissbrauch dröhnen aus dem Megafon. Pfeifkonzerte begleiten die Demo von „Mathilda“, einer Gruppe ehemals Betroffener, die in der Muehl-Kommune Friedrichshof „sexualisierte Gewalt und Missbrauch erlebt haben“. Vor der Pressekonferenz und zur Eröffnung der umstrittenen Ausstellung „Otto Muehl: Kunst am Abgrund“ belagerte „Mathilda“ den Eingang.
„Muehl hat in seiner Kommune psychischen und sexuellen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen in sein autoritäres System von Macht, Kontrolle und Abhängigkeit eingebunden“, hatten schon davor Betroffene angeklagt. Ihre Forderung: ein „Ende der Vermarktung von Muehls Kunst“. Aus mit der Mythisierung des Straftäters!
Betroffene bis heute traumatisiert
Die 160 Betroffenen, darunter noch heute Traumatisierte, 1972 bis 1990 Muehl-Kommunarden in Friedrichshof, sollen eine Abfindung von 2,5 Millionen Euro erhalten. „Wir sind ein Kunstmuseum“, verteidigt Ex-Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder seine Schau, „wir zeigen ja nicht Beweismittel für Straftaten oder Missbrauchsopfer. Wir zeigen das Frühwerk, verschweigen aber nicht die Geschichte der Kommune.“
Die Kernfrage bleibt: Darf und soll man das Werk des Straftäters Muehl zeigen? Den Secessionisten-Leitsatz „Der Kunst ihre Freiheit“ von 1897 sollte man nicht in Frage stellen. Aber ist Muehl, der von der MAK-Ausstellung 2004 für den Handel „salonfähig“ gemacht werden sollte, von den Verbrechen zu trennen? Sicher nicht. Welche traumatischen Erinnerungen können auch als „harmlos“ qualifizierte Bilder von „Kunst am Abgrund“ bei den Überlebenden der Pornokommune auslösen?
„Profit mit Missbrauch“
Aus für den „Profit mit Missbrauch“ fordert die Gruppe „Mathilda“, und eine „seriöse wissenschaftliche Aufarbeitung“. Was viel kostet. Zugleich fordert sie 2,5 Millionen Euro Entschädigung durch die Ex-Kommune, jetzt Genossenschaft Friedrichshof. Doch deren Auszahlung hängt vom Verkauf von Muehl-Werken ab. Gute Gemälde erzielen bis zu 165.000 Euro. Die „Entkunstung von Muehl“ bleibt also Illusion. Eine Verhöhnung der Opfer!
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