Die Ars Electronica präsentiert im Lentos und im Francisco Carolinum preisgekrönte Medienkunst. Ein fragwürdiges politisches Projekt schürt den Konflikt, die anderen Projekte kreisen um gesellschaftliche Veränderungen.
Gespannt wurde die Performance einer japanischen Künstlergruppe rund um den Medienexperten Shin Hanagata beobachtet: Die Performerin schlüpfte dabei in einen Sack, wurde zur „Chimäre“, einem Mischwesen mit nur einem „Auge“ und das ist eine Kamera auf der Fußsohle der Performerin.
Hier löst Digitalisierung das gewohnte Körperbild des Menschen auf, der Sehsinn ist plötzlich am Fuß – eine verspielte Vision, die aber vielleicht neue Möglichkeiten der sinnlichen Wahrnehmung eröffnet.
Ein grandioser Beitrag zur Dekolonialisierung
Einen Blick in die Vergangenheit der Kolonialisierung wagt das engagierte Projekt „What the Record Forgot“. Kuratorin Samba Yonga stellte es persönlich in Linz vor: „Es geht um den sorgsamen Umgang mit dem Wissen indigener Kulturen“, umreißt sie das Ziel der interaktiven Installation.
An den Fronten der Kriege
Ausbeutung heute macht die Videoarbeit „Mechanical Curds“ von Hito Steyerl zum Thema, er zeigt Click-Worker in einem Flüchtlingslager im Irak, die Künstliche Intelligenz trainieren.
Politischer Beitrag ist deplatziert
Eine kontroverse Arbeit hat beim heurigen Ars Electronica Festival eine Goldene Nica gewonnen: Das Kollektiv Forensic Architecture erstellte eine interaktive Karte, aus der es die vermeintlich systematische Zerstörung Gazas durch Israel ableitet, wir haben darüber berichtet. „Das ist keine neutrale Perspektive“, räumt Festivaldirektorin Christl Baur ein.
„Antisemitismus darf nicht relativiert werden“
Landeshauptmann Thomas Stelzer dazu: „Ich respektiere die Unabhängigkeit der Jury, teile ihre Entscheidung aber nicht.“ Er wird der Preisverleihung am Donnerstag fernbleiben, denn: „Krieg, Gewalt und das Leid unschuldiger Menschen sind niemals und in keiner Form zu rechtfertigen. Genauso wenig darf es aber eine einseitige Darstellung eines solchen Konflikts geben. Gerade Österreich trägt aufgrund seiner Geschichte eine besondere Verantwortung. Die Singularität des Holocaust und der entschlossene Kampf gegen Antisemitismus dürfen niemals relativiert werden“, so Stelzer.
Im Francisco Carolinum, das auch als Haus der Fotografie wahrgenommen wird, geht die Parade der Medienkunst weiter.
Übrigens: Erstmals wird bei der Linzer Ars Electronica, die noch bis 13. September dauert, ein Festival-Walk angeboten, der am OK Platz startet.