Eine Partei überlegt

AfD kassiert nach Wahlsieg deutliche Absagen

Deutschland
09.09.2026 15:55
Porträt von krone.at
Von krone.at

Die AfD findet nach ihrem Wahlsieg in Sachsen-Anhalt keine politischen Partner – selbst Gesprächseinladungen werden von den etablierten Kräften abgelehnt. Die Rechtspartei hofft nun auf Überläufer. Allerdings: Eine Partei berät noch ...

CDU, SPD, Grüne und Linke lehnen eine Zusammenarbeit mit der AfD in Sachsen-Anhalt kategorisch ab. Vertreter der vier Parteien haben Gesprächsangebote über eine Regierungsbildung ausgeschlagen. Damit ist wenige Tage nach der Wahl weiter unklar, wie es in dem deutschen Bundesland politisch weitergeht. Wenn es keine Überläufer von anderen Fraktionen gibt, könnte die AfD wohl nur auf das BSW als punktuellen Partner hoffen. Das BSW will über das Gesprächsangebot der AfD beraten.

„Es ist absurd anzunehmen, dass wir mit der rechtsextremen AfD Gespräche über die Zukunft unseres Landes führen werden“, sagte Grünen-Spitzenkandidatin Susan Sziborra-Seidlitz der Deutschen Presse-Agentur. Ob das Schreiben der AfD durch die Grünen noch förmlich beantwortet wird, blieb zunächst offen.

Auch die Sozialdemokraten haben die Einladung ausgeschlagen. „Zwischen der SPD und der AfD bestehen grundlegende politische und normative Gegensätze“, antworteten die beiden Landesvorsitzenden Juliane Kleemann und Andreas Schmidt.

Ulrich Siegmund führte die AfD in Sachsen-Anhalt zum Wahlsieg.
Ulrich Siegmund führte die AfD in Sachsen-Anhalt zum Wahlsieg.(Bild: AP/Matthias Schrader)

Andere Parteien sehen sich in der Opposition
„Die AfD hat über Jahre in Parlamenten, öffentlichen Foren und ihren eigenen Veröffentlichungen die demokratischen Parteien, ihre Repräsentanten und wesentliche Institutionen unserer demokratischen Ordnung immer wieder grundsätzlich infrage gestellt und verächtlich gemacht.“

Das Ergebnis der Landtagswahl nehme man zur Kenntnis, man respektiere die Entscheidung der Wählerinnen und Wähler, betonten Kleemann und Schmidt. „Es verändert jedoch weder unsere politischen Grundüberzeugungen noch unsere Bewertung der AfD. Für Gespräche über eine Zusammenarbeit zwischen unseren Parteien besteht daher aus unserer Sicht keine Grundlage.“

Die Karte zeigt die Wahlergebnisse der AfD bei den jüngsten Landtagswahlen in Deutschland sowie die Ergebnisse der EU-Parlamentswahl 2024 mit 15,9 % und der Bundestagswahl 2025 mit 20,8 %. In Sachsen-Anhalt erreicht die AfD 43,8 %, in Sachsen 30,6 % und in Thüringen 32,8 %. In westdeutschen Bundesländern liegen die Werte meist unter 20 %. Mehrere ostdeutsche Landesverbände werden vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft. Quelle: bpb, tagesschau.de.

CDU-Spitzenkandidat Sven Schulze schloss bereits mehrfach eine Zusammenarbeit mit der AfD aus. „Wir sind in der Opposition“, bekräftigte Schulze nach seiner Wahl zum CDU-Fraktionsvorsitzenden. Man sei nach diesem Wahlergebnis nicht beauftragt, an Regierungsbeteiligungen zu denken.

Eine CDU-Sprecherin bestätigte den Eingang des AfD-Schreibens. „Wir werden dieses Gesprächsangebot nicht annehmen“, sagte sie. „Unsere Haltung ist klar: Eine Zusammenarbeit mit der vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuften AfD Sachsen-Anhalt lehnen wir ab.“

Partnersuche für die AfD komplex
Die Regierungsbildung ist in Sachsen-Anhalt nach der Landtagswahl kompliziert. Die AfD hat mit Abstand die meisten Stimmen erhalten, eine Alleinregierung jedoch verpasst. Vor der Wahl hatten alle anderen Parteien eine Koalition mit der AfD ausgeschlossen. Dennoch kündigte AfD-Generalsekretär Tobias Rausch an, alle im Landtag vertretenen Parteien zu Sondierungsgesprächen einladen zu wollen.

Im neuen Landtag ist die CDU mit 15 Abgeordneten vertreten. SPD, Linke und Grüne haben jeweils acht Sitze, das BSW zog mit fünf Abgeordneten erstmals in den Landtag in Magdeburg ein. Die AfD gewann 39 der insgesamt 83 Mandate. Damit fehlen ihr für eine absolute Mehrheit drei Stimmen. Ob und wie sie die erreichen kann, ist offen.

AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund will bei den anderen Fraktionen und einzelnen Abgeordneten eine Mehrheit suchen. Vertreter der CDU haben jedoch mehrfach betont, dass es keine Überläufer zur AfD geben werde. Von SPD, Linken und Grünen sind diese ohnehin nicht zu erwarten.

Nur noch das BSW bleibt übrig
Also bleibt für die AfD aktuell nur das BSW als Option. Auf Nachfrage, ob er eine Koalition mit der AfD ausdrücklich ausschließe, antwortete BSW-Spitzenkandidat Thomas Schulze zuletzt ausweichend.

Man werde im Landesvorstand über die Einladung der AfD beraten, sagte BSW-Spitzenkandidat Thomas Schulze der Deutschen Presse-Agentur. Man sei grundsätzlich bereit, mit allen Parteien zu sprechen. „Dass andere Parteien bereits das Gespräch an sich ablehnen, halten wir für einen schlechten politischen Umgang und für kein gutes Zeichen für die demokratische Kultur in unserem Land.“

Das Balkendiagramm zeigt die prognostizierten Stimmenanteile zur Landtagswahl Sachsen-Anhalt um 18 Uhr. Die AfD erreicht mit 44,5 % den höchsten Wert, gefolgt von der CDU mit 18,5 %. Linke, Grüne und SPD liegen zwischen 8 % und 9,5 %. BSW kommt auf 5 % und FDP auf 2 %. Quelle: ARD.

Die AfD verspürt bei der Bildung einer Landesregierung jedenfalls keinen Zeitdruck. Man werde sich äußern, wenn es Ergebnisse zu verkünden gebe, sagte ein Sprecher der AfD.

CDU-Spitzenkandidat Sven Schulze geht bereits fest von einer Zusammenarbeit von AfD und BSW aus. Nach seiner Wahl zum CDU-Fraktionschef sagte er: „Ich bin ziemlich sicher, dass spätestens nach der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern die AfD und BSW die Wahrheit sagen werden, dass sie sich längst geeinigt haben, wie das kommen soll.“

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