Im Wiener Landesgericht tun sich Abgründe auf, als die zwei 14-jährigen Mädchen von ihrer verstörenden Freundschaft berichteten – gezeichnet von Selbstverletzungen, Gewaltfantasien und Verherrlichung von Serienmördern. Bis Jenny (Name geändert) letztlich selbst mordete. „Viel Glück, meine Göttin“, machte ihre gleichaltrige Freundin der Jugendlichen davor noch Mut. Und leistete so einen Mordbeitrag ...
Genau wie bei ihrem eigenen Prozess sitzt Jenny (Name geändert) regungslos in der Mitte des Gerichtssaals, spricht mit monotoner Stimme, den Blick starr nach vorn gerichtet. Im Wiener Landesgericht sitzt die verurteilte Mörderin aber jetzt als Zeugin. Und muss gegen ihre ehemalige beste Freundin aussagen. Eine Freundschaft, die mit Normalität wenig zu tun hat.
Mädchen teilten verstörende Gemeinsamkeiten
Die beiden 14-Jährigen lernten sich letzten Sommer kennen – und teilten eine verstörende Gemeinsamkeit: Beide hatten einen morbiden Hang zur Selbstverletzung, fantasierten darüber, die Schnitte immer tiefer zu setzen. Das eigene Leben war da egal. „Ich hab‘ sie angehimmelt, weil sie sich tiefer selbst verletzt hat als ich und ich wollte das auch“, spricht die junge Wienerin über Jenny. Das nun angeklagte Mädchen hat bereits mehrere stationäre Psychiatrieaufenthalte hinter sich ...
Von Verbrechensdokus zur echten Bluttat
Dann traf sie die Gleichaltrige – die spätere Mörderin – die sich schon früh für echte grausame Verbrechen interessierte. „Sie hat sich das damals viel angeschaut. Ich hab‘ dann auch angefangen, dass wir darüber reden können“, sagt die 14-jährige Freundin vor dem Schöffensenat. „Mir war damals nur wichtig, dass sie mich mochte.“ Die Gutachterin sieht bei dem Mädchen eine Tendenz zur emotionalen Abhängigkeit als Teil ihrer Persönlichkeitsstörung.
Ich wollte damals, dass sie mich liebt.
Angeklagte Freundin über Jenny
Und wie sehr die Jugendliche Jenny anhimmelte, zeigen die verheerenden Chats. „Du kannst das schaffen. Dann wirst du so sexy wie Alexander.“ – „Wer ist Alexander?“, hakt die Richterin nach. „Ein Serienmörder.“ Alexander Spessiwzew brachte in Russland zig Menschen um, praktizierte auch Kannibalismus. Ein weiterer verstörender Chat: „Ich wünschte, ich wäre auch ein sexy Kannibale“, schrieb die Angeklagte der 14-jährigen Mörderin. „Wir haben das schon verherrlicht“, sagt die Zeugin.
Letzte Nachrichten: „Viel Glück, meine Göttin“
Und so schaukelte sich das immer weiter auf. Bis zum 23. Jänner. Bis Jenny auf dem Friedhof Baumgarten im 15. Bezirk eine völlig unschuldige Pensionistin mit bestialischen 82 (!) Messerstichen tötete. Dass sie diesen Mordplan hegt, schrieb sie nur kurz davor ihrer Freundin. „Sie hat geschrieben, dass sie das geil findet.“ Genauer: „Viel Glück, meine Göttin.“ – „Das hat mir den Mut gegeben.“ Den Mut die 62-Jährige zu erstechen ...
„Hättest du die Tat auch begangen, wenn dir deine Freundin auf deine Nachrichten gar nicht geantwortet hätte?“, fragt der Verteidiger des angeklagten Mädchens konkret. „Nein“, sagt Jenny sofort. Sie sitzt eine achtjährige Haftstrafe in der Justizanstalt Asten (OÖ) ab und weiß jetzt: „Wir waren beide schlecht füreinander.“ Und letztlich bestärkte sie ihre Freundin sogar ans Äußerste zu gehen: Zu morden. Für den Beitrag wird die 14-Jährige rechtskräftig zu drei Jahren teilbedingte Haft verurteilt und muss sich für die Dauer der Probezeit einer Therapie unterziehen.
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