30 Prozent weniger Ertrag schmerzen die Winzer im Burgenland, dafür verspricht der Jahrgang hohe Qualität. Trotz schwächelndem Absatz beim Rotwein ist eine Krisendestillation für die Weinwirtschaft aber noch lange kein Thema.
Die Sonne brennt, die Böden sind trocken, die Zeit drängt: Im Burgenland kämpfen die Winzer derzeit um jeden gesunden Weinstock. Die extreme Hitze hat die Reife beschleunigt, die anhaltende Trockenheit die Trauben schrumpfen lassen. Was schließlich im Weinfass landet, fällt heuer deutlich geringer aus. Für die rund 2.400 Weinbaubetriebe bedeutet das empfindliche Einbußen. „Rund 30 Prozent weniger Ertrag als im Vorjahr ist für unsere Betriebe massiv“, sagt Landwirtschaftskammer-Präsident Nikolaus Berlakovich.
Die gesamte Weinwirtschaft muss an mehreren Schrauben drehen, damit der Weinbau auch in Zukunft wirtschaftlich erfolgreich möglich ist.
Landwirtschaftskammer-Präsident Nikolaus Berlakovich
Zumindest bei der Qualität gibt es erfreuliche Nachrichten. „Die Konsumenten können sich auf einen fruchtigen Jahrgang freuen“, sagt Andreas Liegenfeld, Präsident des Weinbauverbandes. Die ersten Moste würden auf einen aromatischen und fruchtbetonten Jahrgang hoffen lassen. In den Weingärten wächst dennoch die Sorge vor einem anderen Problem: Die Amerikanische Rebzikade und die Goldgelbe Vergilbung werden für den Weinbau zunehmend zur Gefahr. Die Rebzikade kann den Erreger der gefährlichen Krankheit von Rebstock zu Rebstock übertragen und damit für eine weitere Ausbreitung sorgen. Einzelne Maßnahmen allein würden deshalb nicht ausreichen. „Die gesamte Weinwirtschaft muss an mehreren Schrauben drehen, damit der Weinbau auch in Zukunft wirtschaftlich erfolgreich möglich ist“, so Berlakovich. Für die Winzer enden die Herausforderungen allerdings nicht im Weingarten.
Krisendestillation: Ein Nein aus dem Burgenland
Vor allem der Rotwein kämpft mit einer veränderten Nachfrage. Wie angespannt die Lage ist, zeigt ein Blick nach Deutschland. Dort sollen überschüssige Rotweine im Rahmen der Krisendestillation zu Industriealkohol verarbeitet werden. Auch im traditionell stark vom Rotwein geprägte Burgenland wird der Vermarktungsdruck für die heimischen Winzer höher.
Herbert Oschep, Obmann der Wein Burgenland, sieht jedoch noch lange nicht „Alarmstufe Rot“: „Die Zeit des Weinverteilens ist vorbei, jetzt geht es um den Verkauf.“ Leichtere und fruchtbetonte Weine würden stärker nachgefragt. Um neue Käufer zu erreichen, setzt Oschep auf die Vermarktung in Gastronomie, Tourismus, Veranstaltungen und auf digitalen Kanälen. Der Weg führe nicht über die Menge: „Mit Quantität kann man den Kampf nicht gewinnen, sondern mit Qualität.“
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